Peter streitet mit seinem Freund Stefan

„Spinnst du. Gib sofort wieder her!“, schreit Peter. Er hat heute die ersten Kekse mit als Jause, die er mit seiner Mama und seiner Schwester gestern gebacken hat. „MH, die sind lecker.“ „Du bist sooo gemein. Ich habe eh nur die paar bekommen und du nimmst mir gleich so viele weg.“ „Es waren nur zwei“, verteidigt sich Stefan. „Du hättest mich zumindest fragen können!“, schreit Peter. „Dann hättest du mir sicher keine gegeben.“ Stefan guckt frech und sagt dann doch leise: „Entschuldigung“. „Ich nehme deine Entschuldigung nicht an, du Blödmann!“

Die beiden schauen sich böse an und reden ganzen Vormittag kein Wort miteinander.

„Er hätte mich wenigstens fragen können. Ich würde ihm nie etwas einfach so wegnehmen. Ich rede kein Wort mehr mit ihm. Der kann mir gestohlen bleiben.“, beschwert sich Peter sei seiner Mutter. „Aber er ist doch dein bester Freund“, bringt Mama ein. „Mir egal, so etwas macht man einfach nicht.“ „Was brauchst du jetzt, dass die Keks-Sache wieder gut ist?“, fragt ihn die Mama. „Nichts, ich will nicht gut sein. Er hat nie Kekse mit.“ „Seine Mama ist ziemlich beschäftigt. Ich glaube, die hat keine Zeit zum Kekse backen.“ „Was kann ich dafür?“ Beide schweigen. „Hat sich Stefan bei dir entschuldigt?“ „Ja, aber ich habe sie nicht angenommen.“

„Was tätest du an Stefans Stelle?“, fragt Mama. Peter denkt nach. „Ich würde für ihn Kekse backen und morgen in die Schule mitnehmen.“ „Aber alleine könntest du keine Kekse backen.“ „Da hast du Recht. Ich würde dich fragen, ob du mir helfen könntest.“

Da läutet das Telefon. Stefan ist am Apparat. „Entschuldige Peter“, sagt er stockend. „Ich kaufe dir heute Keckse von meinem Taschengeld. Sind wir wieder gut?“, fragt er nach. Peter schweigt. „Ok.“ „Aber die gekauften sind nicht so gut, wie die von deiner Mama.“, gesteht Stefan. „Macht nichts“, antwortet Peter kurz angebunden und legt auf.

Plötzlich springt Peter vom Sessel. „Mama, könnten wir mit Stefan Kekse backen, wenn seine Mama nie Zeit hat.“ Mama lächelt. „Sicher gern.“ „Gleich?“ „Ja, Zutaten für einen Mürbteig habe ich sicher zu Hause.“ „Ich rufe Stefan sofort an. Er soll gleich kommen.“, freut sich Peter. Mama lacht. „Ein bisschen Zeit musst du mir schon geben, damit ich den Teig vorbereiten kann.“ „Da können wir ja in der Zwischenzeit mit einander spielen“, jubelt Peter und läuft zum Telefon.

 

 

Ein schreckliches Erlebnis an einem meiner Lieblingsorte

Der Eingang stand ein wenig offen. Ich blickte neugierig hinein. Dunkel, ein kleiner Platz zum Sitzen. Wie man sich in so etwas fühlt? Ich blickte um mich. Niemand zu sehen. Ich trat ein, setzte mich. Behaglich. Eine kleine grüne Taste. Ich drückte. Nichts, Dunkelheit. Ich schloss die Pforte zaghaft. Wie in einer dunklen Höhle. Plötzlich öffnete sich rechts eine Pforte und ein Mann trat ein. Was mache ich jetzt? Er begann zögernd zu sprechen.

„Ich weiß nicht mehr, wie man das macht. Aber ich muss mit jemanden reden. (Draußen war es grün.)Ich habe einen großen Fehler gemacht und mache ihn noch immer.“ Der Fremde stockte. Mir wurde es heiß und kalt. Ich drückte mich fest an die Wand, damit er mich nicht sehen konnte. „Sie sind doch auch ein Mann. Na ja, halt ohne Frau. Wissen Sie, sie ist so hübsch, so lustig, so aufgeschlossen. Ich kann einfach nicht widerstehen. Blöd nur, sie ist verheiratet und ich auch. Das darf niemand erfahren. Ich muss sie immer wieder treffen. Sie hat mich so verhext und sie ist so sexy. Mit meiner Frau ist es nach so vielen Jahren nicht mehr so spannend.“

Die Stimme kam mir irgendwie bekannt vor. An wen erinnerte sie mich nur?

„Wissen sie eh, Routine kehrt ein, immer dasselbe, wenn sie mich verstehen. Bei ihr fühle ich mich wieder wie zwanzig. Wir machen so verrückte Dinge, die könnte ich mit meiner Ehefrau niemals machen. Dabei ist ihr Mann ein guter Freund von mir. Es ist oft so peinlich, wenn ich ihn treffe. Aber ich kann nicht anders, ich muss mit dieser Frau zusammen sein. Wir machen es eh ganz, ganz heimlich. Treffen uns, wo uns bestimmt niemand kennt. Und trotzdem habe ich ein schlechtes Gewissen. Was soll ich nur machen?“

Die Stimme. Ich kannte diese Stimme. War das nicht?

„Können Sie mir einen Rat geben? Ich will und kann einfach nicht aufhören. Sie ist so eine tolle Fee. Die Zeit mit ihr gibt mir so viel. Ich bin mit Energie vollgepumpt, seit wir ein Verhältnis haben. Ich bin ein neuer Mensch.“ Er schwieg kurz. „Vielleicht sollte ich mich scheiden lassen. Aber wir haben beide Kinder, die wollen wir nicht verlieren. Was soll ich machen? Helfen Sie mir doch bitte.“

Das war doch… Das gibt es nicht, ich kann es nicht glauben.

„Bitte, sagen Sie doch etwas.“

Ich hüstelte. Ich saß in der Klemme. Ich durfte mich auf keinen Fall zu erkennen geben. Mein Gott, was mache ich nur? Was sage ich nur? Er wird auch meine Stimme erkennen. Ich versuchte zögernd und hüstelnd mit tieferer Stimme zu antworten.

Ich kann Ihnen auch keinen Rat geben. Ahnt Ihre Frau etwas?“

„Nein, sicher nicht. Die ist mit den Kindern, Haushalt und arbeiten gehen beschäftigt. Die ist froh, wenn sie am Abend ihre Ruhe hat.“

Aber ganz zufrieden sind Sie mit ihrer momentanen Situation auch nicht, oder?“

„Ehrlich, ich habe viel schlechtes Gewissen. Aber das Verlangen ist so ungemein groß. Ich muss sie immer wieder treffen.“

Sie riskieren ihre Familie zu zerstören. Wie geht es Ihnen damit?“

„Das ist es ja, ich will meine Familie nicht verlieren, sie auch nicht ihre. Aber voneinander können wir auch nicht lassen. Ihr geht es genauso wie mir. Meine Frau und ihr Mann dürfen nie davon erfahren.“

Und wenn Sie das Verhältnis beenden? Sie könnten ja versuchen, mit ihrer Frau wieder mehr Schwung in Ihre Beziehung zu bringen.“

„Sie kennen meine Frau nicht. Da geht nichts, die ist dauernd müde.“

Vielleicht gehen sie miteinander in eine Eheberatung.“

„Nein, wenn ich das vorschlagen würde, dann würde sie mich kontrollieren und zu schnüffeln anfangen. Weil dumm ist sie nicht!“ Mir wurde das zu heiß.

Ich muss jetzt das Gespräch abbrechen, ich habe einen wichtigen Termin. Sie können jederzeit wieder kommen und wir reden weiter, wenn sie wollen.“ Ich begann zu husten.

Der Mann erhob sich und bedankte sich für das Gespräch. Er kommt sicher wieder. Es hat ihm gut getan, mit jemand Außenstehenden zu reden.

Ich wünschte ihm hustend noch alles Gute und wartete, bis er draußen war. Gibt es etwas Schlimmeres?

© Elfriede Maria Aufreiter

 

Peter will in den Ferien zelten

Peters Großeltern haben ihn und seine Schwester Ursula zum Zelten im Garten eingeladen. Peter hüpft vor Freude. Seine Schwester steigt unsicher von einem Fuß auf den anderen.

„Schlafen wir ganz ohne Mama und Papa im Zelt?“, fragt seine Schwester nach. „Ja sicher. Das wird total super. Ich werde mir Chips und Süßigkeiten mitnehmen und Limonade. Natürlich eine Taschenlampe. Nein, am besten zwei Taschenlampen, wenn eine nicht funktioniert in der Nacht.“

„Was ist, wenn Tiere in der Nacht kommen?“, fragt Ursula ängstlich nach. „Wer soll da schon kommen? Bären?“, lacht Peter. „Nein, aber die Nachbarkatzen und die vielen Käfer, die in Opas Garten sind.“ „Die Katzen schlafen sicher auch in der Nacht. Wir liegen doch auf Luftmatratzen und können das Zelt mit einem Reißverschluss zusperren“, beruhigt sie Peter. „Und Geister?“, Ursula macht ein fragendes Gesicht. „Ist doch lustig, wenn uns jemand erschreckt! Oder?“ Davon ist Ursula überhaupt nicht begeistert. „Ich glaube, ich schlafe lieber bei Oma und Opa im Haus“, gesteht Ursula. „Nein, bitte, bitte, schlaf auch im Zelt. Alleine ist es überhaupt nicht lustig. Ich verspreche dir, ich pass ganz gut auf dich auf“, verspricht Peter. „Ich weiß nicht. Was tun wir, wenn uns kalt wird?“ „Wir haben einen ganz dicken Schlafsack, da wird uns sicher nicht kalt.“ „Und wenn ich aufs Klo muss? Das muss ich immer, wenn ich aufgeregt bin.“ „Dann gehe ich mit dir. Oma und Opa lassen uns das Haus offen.“ Ursula ist sich immer noch nicht sicher, ob sie im Garten zelten will. „Schau, da kannst du mit der Taschenlampe so lange lesen wie du willst, du Leseratte. Wir können uns Geistergeschichten erzählen, das ist lustig. Wir können ganz lange wach bleiben und niemand regt sich auf….“ Peter will seiner Schwester das Zelten unbedingt schmackhaft machen. Schließlich hat Peter sie überredet. Sie fangen aufgeregt an, alle Dinge zusammenzusuchen, die sie zu Oma und Opa mitnehmen wollen. Das erste Abenteuer in den Ferien kann beginnen.

Was hast du vor in den Ferien? Worauf freust du dich schon?

 

Die Hofer Nandl hat nicht nur im Fasching etwas zu sagen!

Heiligster Herr Vater in Rom!
Eigentlich war ich recht enttäuscht von dir, nach dieser Synode, du weißt schon. Wo du den Frauen nicht viel zutraust. Aber dann habe ich im Fernsehen gesehen, dass du von denen in Rom ziemlich in die Zange genommen wirst. Dass du endlich ein Papst bist so ähnlich wie Jesus es damals war, und das passt denen da unten nicht. Ich halte wieder zu dir.
Vergessen wir die kleine Unstimmigkeit.
Jetzt haben wir alle viel Wichtigeres zu tun.
Dieser Virus, bist du eh auch zu Hause? Weißt eh, Heiligster Herr Vater in Rom, wir sind schon eine „Risikogruppe“, sagen sie im Radio. Na ja, dann bleiben wir halt zu Hause. Du wirst ja auch ein Telefon in deiner Wohnung haben.
Stell dir vor, wie das alles angefangen hat, mit nicht einkaufen gehen die alten Leute, da hat es bei mir geklingelt und so ein Ministrant steht draußen und fragt, ob ich etwas brauche? Mei, da habe ich mich schon recht gefreut. So ein Lieber. Ich brauch ja nicht so viel, aber Brot und Milch geht mir schon ab und das kauft er mir jetzt immer. Und einmal waren meine Medikament gar, da ist der sogar zum Doktor gegangen.
Hast du eh auch wenn, der für dich einkaufen geht? Ich weiß, dass du dir auch selber kochst. Ich weiß ja nicht, ob es in Rom auch solche liebe Ministranten gibt wie bei uns!
Ja und beten sollen wir, weil wir keine Messe nicht haben. Jetzt haben ja alle mehr Zeit, wenn sie alle daheim sind. Ob sie es auch tun? Schaden täte es uns nicht.
Ich beten halt meinen Rosenkranz zweimal, ist auch nicht schlimm. Ich habe ja Zeit. Den Frühjahrsputz habe ich schon gemacht. Alle Kasteln ausgeräumt und außergewischt, hast du das auch schon getan? Alles sauber gemacht, aber in so einer kleinen Wohnung ist man ja schnell am Ende.
Und das sage ich jetzt nur dir, eine kleine Runde gehe ich schon jeden Tag. Sonst haltest es ja nicht aus, immer nur daheim. Aber ich weich eh ganz weit aus, wenn ich jemanden sehe. Ehrlich!
Und mit der Nachbarin tratsche ich schon übern Zaun. Wir halten auch Sicherheitsabstand. Man muss ja ein bisserl informiert sein, was sich so alles tut, wenn man nicht so viel fortkommt. Wenn man nicht einmal in die Kirche kommt, weil da erfahre ich schon immer viel Neues. Eh nach der Messe.
Hin und wieder ruft auch die Verwandtschaft an, dös ist auch recht schön. Es geht eh allen gut. Keiner hat diesen Virus. Da bin ich dem Herrgott schon recht dankbar.
Und Kerzen soll ma jetzt auf die Nacht anzünden und einen Vater unser beten. Weißt, ich habe nur so a Wetterkerze, wann ein Gewitter ist und kein Strom da ist. Mit der muss ich schon ein wenig sparen. Ich zünd sie halt um Achti an und lösch sie nach dem Vater unser sofort wieder aus.
Und die Kirchenglocken läuten auch um die Zeit, dös ist recht schön, aber auch ein wenig enterisch, weils jetzt überall so ruhig ist. Keine Wirthäuser offen, keine Autos und Leut siehst du überhaupt keine. Fast wie früher.
Wie ist das bei dir in Rom? Ist es auch enterisch, wenn der Petersplatz leer ist und der Petersdom? Hast eh wenn zum Telefonieren, sonst rufst mich halt wieder einmal an!
Du ehrlich, heiligster Herr Vater in Rom, ich bin gar nicht so böse, wegen dem jetzt!
Können sie nicht immer einkaufen rennen, weil eh alle Geschäfte zu haben. Müssen die Frauen wirklich immer wieder neue Gwander haben? Und dann hauen sie es eh gleich wieder weg. Und überhaupt, immer alles immer wieder neu.
Und müssen die Leut alle immer so weit fortfliegen? Ist doch eh so schön bei uns. Vögel zwitschern jetzt so schön, Himmelschlüssel blühen, Sonne scheint, da Himmel is so blau!
Weißt, früher haben wir das alles auch nicht gehabt und die Leut waren auch zufrieden.
Ich freu mich, wenn ich im Keller noch Äpfel habe und kann mir einen guten Apfelstrudel machen. Schade, dass du so weit weg bist, sonst hätte ich dir auch einen gemacht. Ich hätte ihn dir eh nur vor die Tür gestellt. Ich weiß schon, mir müssen auf uns schon aufpassen.
Weißt, dös immer mehr und mehr und na, jetzt ist dös endlich aufgehalten worden. Jetzt wissens auf einmal alle, dass die Gesundheit das Wichtigste ist. Und für mich ist schon der Herr Gott auch wichtig.
Und Zaumhalten. Ja, dös lernen jetzt wieder alle. Dass einer auf den andern a wenigerl schaut. Dös gefreut mich schon besonders. Weißt, da ruft eini an und fragt, ob es mir eh gut geht. Ich kenne sie vom Kirchengehen. Ein wenig plaudern, dös tut mir schon gut.
Ja, heiligster Herr Vater in Rom, dös ist heuer eine besondere Fastenzeit. Ruhiger, vielleicht a für den einen oder anderen a wengerl besinnlicher. Keiner muss fort rennen, beten kann ma auch daheim. Und wann zu Ostern die Kirchen auch noch gesperrt ist, dann schau ich mir dös im Fernsehen an. Irgendwas werden sie schon bringen. Einfach, weißt, a bisserl so wie früher. A wenig fasten, dös schadet uns auch nicht und a wenig mehr beten.
Es schadet der Kirche auch nicht, einfacher, weißt, nicht so viel Prunk, wie man im Fernsehen oft sieht bei die großen Messen in Rom. Da Jesus hat doch auch nur so einen Umhang gehabt und ist bloßfüßig gegangen. Und ein paar Frauen dazwischen, dös tät Rom auch nicht schaden. Manche Frauen haben wirklich gute Einfälle. Können es manchmal besser als die Pfarrern. Der Jesus hat doch auch Frauen bei ihm gehabt. Warum dürfen die in Rom nicht dabei sein? Bei uns in Neumarkt ist das Gott-sei-Dank anders.

Also dann, heiligster Herr Vater in Rom, gesund bleiben – dös ist jetzt das Wichtigste.
Gsund bleiben, beten und die andern nicht vergessen. Ja, ja, dös lernt uns die Krise.
Es grüßt dich ganz herzlich die
Hofer Nandl aus Neumarkt 24.3.20

So ein Quatsch!

Meine sehr geehrten Damen, liebe Genossinnen, liebe Mitstreiterinnen - und natürlich auch geehrte Herrn!

Endlich ist es so weit!

Der Tag ist da!

Die Stunde ist gekommen.

Uns allen fehlt doch nur noch eins:

Eine Frauenpartei!

Die wollen wir hier und heute aus der Wiege heben.

Unser Wahlprogramm:

+ Frauenquoten sind für uns selbstverständlich. Überall – auch beim Kameradschaftsbund und im Priesterseminar.

+ Eine verpflichtende Kaffeepause von einer Stunde am Vormittag und am Nachmittag. Da werden die wirklich wichtigen Dinge besprochen: Welchen Kuchen gibt es heute? Und: Wer hat mit wem, was?

+ Keine Damenkleider unter Größe 40 mehr in den Auslagen der Geschäftswelt.

+ Ein Aus für BH und Unterwäsche die zwickt!

+ High Heels nur für die Frauen, die sie freiwillig anziehen und tragen wollen.

+ Keine Umsatzsteuer mehr auf Tampons, Binden, Slip Einlagen und Kosmetikartikel.

+ Schokolade als Gesundheitsvorsorge für Frauen.

Mit diesem Wahlprogramm werden uns sicher nicht nur die Frauen wählen.

„Was a Frauenpartei wollts gründen? So a Quatsch! So a Blödsinn!

Wir haben doch eh lauter Frauenparteien:

Die Schwarzen, die Roten, die Blauen, die Grünen, die Neos. Dös reicht!“

© Elfriede Maria Aufreiter

Die Stalltür von Bethlehem steht offen

Alle Hirten auf dem Feld hatten die Botschaft vernommen. Ein neuer König, ein Messias war in einem Stall in Bethlehem zur Welt gekommen. Aller erhoben sich. Der eine neugierig, der andere ängstlich, der dritte zaghaft. So wie sie im Leben waren und machten sich schließlich auf, den Stall zu suchen.

Unterwegs quasselte Jakob ununterbrochen. „Hast du das gehört? Ich bin so aufgeregt. Stell dir vor, ich werde einen neuen König sehen. Wie wird er wohl aussehen? Ob er eine Krone trägt? Ob er in Gold und Silber gekleidet ist? Ob er mich reich beschenken wird, weil ich zu ihm komme?“

„Jetzt hör endlich mit deiner Fragerei auf Jakob.“, sagte Noah energisch. „Du kannst so nerven mit deinen Fragen. Vielleicht haben wir uns alle getäuscht. Vielleicht hat sich jemand einen Scherz mit uns erlaubt. Wir laufen etwas nach, das es doch nicht geben kann. Ein neuer König. Der wird in einem Stall zur Welt kommen. Jakob, das kann es doch nicht geben, oder?“, zweifelte Noah.

„Wir werden es schon sehen. Ich lass mich von deinen Zweifeln nicht abbringen. Ich will den Messias unbedingt sehen“, antwortete Jakob energisch.

„Ich habe mich so erschrocken. Ich dachte Blitze erhellen den Himmel“, brachte sich Lot vorsichtig ein. „Ich war so geblendet von dem Licht. Habe ich das geträumt?“

„Du hast das nicht geträumt Lot, wir alle haben auch diesen hellen Schein gesehen.“, beeilte sich Josua. „Jetzt kommt endlich etwas schneller. Womöglich zieht der neue König wieder weiter und wir haben ihn verpasst. So geht endlich flinker und hört mit eurer Quatscherei auf.“

„Brennt dort hinten in dem Stall nicht Licht?“, fragte Adam zaghaft. „Mir ist ganz komisch in meinem Bauch. Am liebsten würde ich wieder umkehren. Ich schäme mich so, dass ich immer so vorsichtig und leise bin. Gehen wir doch alle wieder zurück zu unseren Schafen und zur Glut. Dort gehören wir hin, dort haben wir es doch gut. Da kennen wir alles. Wenn in dem Stall etwas ganz anderes auf uns wartet, als ein neuer König. Das kann doch nur ein Hirngespinst sein.“, beendete Adam leise seine lange Rede.

Die anderen staunten. Adam sprach oft einen ganzen Tag kein einziges Wort mit den anderen Hirten. Seine Schafe führte er sanft über die Hügel. Die Hirten blieben stehen.

„Was machen wir jetzt?“, fragte Jakob. „Gehen oder umdrehen?“

„Ich bin auch eher für umkehren“, sprach Noah. „Das kann doch nur eine Einbildung sein.“

„Jetzt sind wir schon auf dem Weg, die paar Meter noch. Dann wissen wir alle, was das zu bedeuten hatte.“, Josua sprach dieses Machtwort. „Wir gehen alle zusammen. Schluss aus!“ Damit ging er mit seiner Laterne in der Hand voran. Die anderen stolperten hinter ihm her.

Die Stalltür war einen spaltbreit offen. Jakob drängte dagegen. Er wollte endlich Klarheit.

„Ein unscheinbarer Stall.“, flüsterte Lot. „Was macht diese Familie da?“

Jakob drängte nach vorne. Lot, Adam, Noah folgten ihm. Josua hastete vorbei.

„Engel haben uns verkündet, dass in diesem Stall der Messias, der neue König Israels zur Welt gekommen ist. Wir sind gekommen, das Kind zu sehen und ihm unsere besten Segenswünsche zu überbringen!“, begann Jakob mutig. Maria und Josef hörten dem Hirten aufmerksam zu. „Er ist der Messias, der Herr. Der Heiler der Welt.“

„Angeblich“, flüsterte Adam.

Alle Hirten drängten sich um die Futterkrippe, in der ein kleines Kind lag. Ein breites Lächeln legte sich auf die Gesichter der Hirten.

„Gott fängt mit einem kleinen Kind wieder neu an. Wie wunderschön. Seht es euch doch an“, verkündete plötzlich Adam. „Es ist zart und fein. Es hat noch alle Möglichkeiten vor sich. Es wird von allen geliebt, nur weil es so hilflos da liegt. Ich lege dir meine Zaghaftigkeit zu Füssen, kleiner Erdenmensch.“

„Ich habe gezweifelt“, fügte Noah ein. „Meine Zweifel plagen mich oft Tag und Nacht. Wenn ich dich kleines Kind ansehe, dann weiß ich tief in meinem Herzen, dass Gott es immer gut mit mir, mit uns meint. Wie sonst könnte so ein Wunder geschehen in dieser Nacht.“

„Ich lege dir meine ganze Freude in die Krippe. Ich kann es gar nicht glauben, dass ich diese Nacht erleben darf“, sprach Lot. „Ich habe all das nicht geträumt. Vor meinen Augen ist Großes geschehen. Gott ist zu den Menschen herabgestiegen. In einem Kind. Natürlich in einem kleinen Kind lässt er uns seine Liebe spüren“, strahlte Lot glückselig.

Maria hatte ihren Sohn Jesus aus der Futterkrippe genommen und reichte ihn den Hirten. Jeder durfte ihn im Arm halten. Sie streichelten über seine zarten Wangen. Sie legten ihm segnend die Hände auf den Kopf. Sie wiegten ihn in den Armen und summten ein Lied. Ihr Innerstes ward nach außen gekehrt.

Still gingen die Hirten zurück. Sie strahlten mit dem Mond um die Wette. Der eine brummte ein Lied. Der andere drehte sich im Kreis, der dritte schlang die Arme wie wild und der vierte wischte sich immer wieder Tränen von seinen Wangen.

Ihre Herzen standen weit offen, wie die Stalltür für jeden offen stand. Für den Vorsichtigen, für den Ängstlichen, dem Zaghaften, dem Mutigen. Alle hatten gefunden, was sie suchten.

© Elfriede Maria Aufreiter

 

 

Peter erlebt eine (h)eilsame Zeit

„Können wir noch etwas spielen?“, fragt Peter seine Mama am Abend. „Nein Peter, können wir nicht. Ich muss noch den Geschirrspüler ausräumen und dann muss ich mich noch um die Schmutzwäsche kümmern.“ „Nur eine Runde Uno.“, bettelt Peter. „Das kenne ich schon. Dann willst du noch eine Runde und noch eine Runde. Geh zum Papa, vielleicht hat der Zeit.“

Peter trottet ins Wohnzimmer. Papa tippt auf seinem Handy herum. „Papa hast du Zeit zum Spielen?“ Papa sieht nur kurz vom Handy auf. „Nein, Peter ich muss da noch etwas Wichtiges für die Firma erledigen. Geh doch zur Mama.“ „Mama hat auch nicht Zeit.“ „Dann geh zu deiner Schwester, die spielt sicher gern mit dir.“ „Die freut das bestimmt nicht. Das kenne ich.“ „Versuche es wenigstens.“

Peter stapft in Ursulas Zimmer. Die sitzt auf ihrem Bett blättert in einer Zeitschrift. „Spielst du eine Runde Uno mit mir?“, fragt Peter seine Schwester. „Nein, das interessiert mich nicht mit dir. Du bist mir zu kindisch.“ Peter streckt ihr die Zunge heraus. Traurig geht er in sein Zimmer. Er zieht sich den Pyjama an und legt sich ins Bett. Trommelt auf seinen Polster und beißt sich auf die Lippen. „Alle sind so was von blöd. Am liebsten würde ich davon laufen. Niemand hat Zeit für mich. Jeden Abend ist es dasselbe.“ Er vergräbt sein Gesicht im Polster. Plötzlich…….

Magst du die Geschichte weiter schreiben?

 

 

An der Grenze

„Heut fahrn ma am Nachmittag and` Grenz“, verkündete mein Vater. Meine Oma war wieder zu Besuch, wie jede Ferien. Sie wohnte in der Nähe von Stuttgart und verbrachte die Ferien bei uns, unterstützte meine Mutter. Sie war glücklich bei uns. Dankbar, dass sie meiner Mutter helfen konnte, bei der vielen Arbeit , bei uns sechs Kindern. Wir hatten auch noch ein kleines Gasthaus. Unsere Gäste kannten Oma, weil sie eben jedes Jahr da war. Sie kam mit dem Zug angereist.

Die Fahrt an die Grenze fand jeden Sommer statt. Eine aufregende Reise. Vater verstaute uns ins Auto. Die älteren zwei Geschwister mussten zu Hause bleiben. Das Haus und das Wirtshaus hüten.

Die Strecke kannten wir natürlich aus den Vorjahren. Während der Fahrt sprachen Mutter und Oma über die alten Zeiten. Mutter fragte nach, was mit alten Bekannten, Verwandten geworden war, die ebenfalls vertrieben worden waren.

Meine Oma schrieb uns während des Jahres regelmäßig. In gestochener Kurrentschrift. Mit diesen Briefen tauchten wir in eine weit entfernte Welt ein. Ich war noch nie bei meiner Oma, bei meiner Tante, zu Besuch gewesen.

Die Grenze kam näher. Die Straße wurde enger. Kaum mehr Häuser. „Stadlberg. Ob die Schmicklin nu lebt?“, fragte meine Oma im mühlviertler Dialekt. Mein Vater hielt das Auto an. Mein Herz klopfte etwas schneller. Hier war es gefährlich. Vater wusste nicht recht, wo er das Auto parken sollte. Der Grenzweg, rechts und links davon Wiesen. Allerhand Geschichten über diese Grenze hatten wir im Laufe unseres Lebens gehört.

„Steigts ja nicht auf die andere Seiten!“, befahl unser Vater streng. „Sonst nehman euch die Grenzer mit!“ Folgsam gingen wir immer zwischen den Erwachsenen.

Mein Vater hatte das Fernglas mitgenommen. Auf einer Anhöhe konnte man die Kirche des Ortes sehen, ein paar Häuser. Meine Mutter und meine Oma schauten mit traurigen Gesichtern hinüber.

„Wie lange wird`s dauern, dann können wir nicht einmal mehr umi schauen. Dann sind die Bäume so hoch, dass wir nicht mehr drüber sehen.“ Oma seufzte tief.

Wir konnten in der Ferne einen Wachturm ausmachen. Von einem Stacheldraht war nichts zu sehen. Wir wussten nur aus den Erzählungen der Erwachsenen, dass es so einen gab. Dass der mit Starkstrom gesichert war. Niemand konnte über diesen hohen Stacheldraht entkommen. Dazu bartrollierten die Grenzer schwer bewaffnet am Grenzweg. Wir hatten Geschichten gehört, wonach Autos beschlagnahmt worden waren. Menschen „hinein“ gebracht wurden und es viele Scherereien gab, bis die Autos wieder zurückgegeben wurden und die Menschen heimgehen durften.

Aus einem der Häuser kam eine Frau auf uns zu. Eine alte Bekannte. Freudig wurde einander begrüßt. Ein langes Gespräch begann. Sie erzählte von ihrem Leben an der Grenze, das auch nicht einfach war. Weit weg vom nächsten Ort. Fragte nach alten Bekannten. Die drei Frauen verband eine gemeinsame Geschichte, eine gemeinsame Vergangenheit.

Wir hatten uns längst an den Wegrand gesetzt, natürlich auf österreichischem Boden. Irgendwann stockte das Gespräch. Sie verabschiedeten sich. „Kumts bald wieder“, wünschte sich die alte Bekannte. Meine Oma hielt lange ihre Hände. Wir stiegen ins Auto und fuhren heim. Auf dem Rückweg unterhielten sie sich wieder über Menschen, die wir noch nie gesehen hatten. Über Schwestern meiner Oma, über deren Kinder. Alle irgendwo in Deutschland verstreut.

Meine Oma erzählte am Abend den Gästen im Wirtshaus von unserem Besuch an der Grenze. Irgendwie war es für diese unvorstellbar, dass meine Oma mit Opa – den ich nie kennengelernt hatte – und mit meiner Tante mit nur 50 kg Gepäck aus ihrem Bauernhaus vertrieben wurde.

„Nach dem ersten Weltkrieg wollten die Tschechen uns unbedingt haben. Und nach dem zweiten haben sie alle Sudentendeutschen vertrieben.“ Dieses Unrecht hatte sich tief in sie eingegraben.

Meine Mutter hatte während des Krieges in Linz eine Ausbildung als Kindergärtnerin begonnen. Sie machte in St. Oswald, Windhaag, Grünbach, Praktikum. Deshalb hatte ihre Mutter sie bei Kriegsende von zu Hause abgemeldet. Damit wenigstens eine in Sicherheit war und genug zu essen hatte. So wurde meine Mutter nicht im Viehtransporter weggebracht.

Sie arbeitete nach dem Krieg als Dienstmädchen in Österreich. Die Kindergartenschule war zugesperrt. Lernte meinen Vater hier kennen und lieben. 1948 wurde geheiratet.

Meine Mutter hat oft erzählt, dass sie bei ihrer Hochzeit niemand aus ihrer Heimat an der Seite hatte. Die Eltern, die Schwester durften nicht nach Österreich. Ihr Blick auf dem Hochzeitsfoto ist traurig und herzbewegend.

(Irgendwann begannen jährliche Treffen der Vertriebenen an der Grenze, in Karlstift. Verwandte, alte Nachbarn, Freunde trafen sich zwei Tage lang. Über die Grenze durften sie nicht. Aber die alte Verbundenheit untereinander und mit dem Ort führte dazu, dass sie beschlossen ihre Heimatkirche als Kapelle an der Grenze zu errichten. Dort konnten sie alle hinfahren, eine Messe miteinander feiern. Tränen fließen lassen und spüren, dass sie in ihrer Verlassenheit nicht allein waren. )

Die Grenze im Norden des Mühlviertels blieb lange, realistisch und emotional. Wir Kinder sogen mit der Muttermilch ein, dass die Tschechen falsch sind, dass man mit denen nichts zu tun haben will. Die Tschechen wurden in unseren Herzen als Unmenschen eingepflanzt. Obwohl meine Mutter eine sehr friedliebende Frau war, sie nie jemanden etwas zuleide getan hat. Ganz im Gegenteil. Sie hatte ein großes Herz, aber nicht für die Tschechen.

Nach der Grenzöffnung fuhren meine Eltern in die alte Heimat meiner Mutter. „Nein, das ist nicht mehr mein Buchers. Sie haben aus unserer wunderschönen Kirche einen Schafstall gemacht. Kannst du dir das vorstellen?“ Herzeleid plagte meine Mutter. Der Friedhof, an dem ihr Bruder, ihre Großeltern begraben waren, ein überwucherter Acker. Mit viel Traurigkeit im Herzen kam meine Mutter von diesen Ausflügen nach Hause.

Meine Oma war längst verstorben, hatte diese Bilder nicht mehr miterlebt.

Als viele nach Tschechien einkaufen fuhren, weil dort alles so billig war, zog es von unserer Familie niemand dorthin. Die Grenze war von Kindesbeinen an in uns verfestigt worden.

Und heute: Ist meine Mutter eine alte Frau.

In ihrer Demenzerkrankung lebt sie viele Tage in dieser Vergangenheit, die ihr die alten Geschichten wieder ans Tageslicht bringt. Eine unendliche Einsamkeit macht sich in ihr breit. Eine Verlassenheit, die ihr diese Grenze beschert hatte.

„Was die mit uns Sudetendeutschen getrieben haben. Unvorstellbar!“ Damit begannen viele ihrer Erzählungen.

Diese, inzwischen unsichtbare Grenze, wurde von unserer Mutter in uns Kindern tief eingepflanzt. Mein Herz schlägt noch immer nicht für Tschechien, obwohl ich mir manche Stadt angesehen habe. Diese Grenze kann nicht, wie der Stacheldraht, durchschnitten werden. Es braucht wahrscheinlich noch ein, zwei Generationen diese ganz zu durchbrechen. Wenn die Mutter in die ewige Heimat zurückgekehrt ist, mag auch in uns diese Grenze an Bedeutung verlieren und vielleicht werden unsere Kinder und Kindeskinder unbefangen nach Tschechien reisen.

© Elfriede Maria Aufreiter

 

Mit diesem Märchen habe ich beim AKUT 2019 Wettbewerb einen Sonderpreis gewonnen:

Es war einmal………..

„Ja es war einmal….Himmel Herrgottnocheinmal….das war einmal!“, schimpfte der Froschkönig. Die Krone ein wenig schief auf den Kopf, schon etwas abgeblättertes Gold. „Es muss sich etwas ändern, sonst können wir überhaupt zusperren!“

„Na, na, was bist du heute so missgelaunt? Ist dir etwas über die Leber gelaufen, oder ist die Prinzessin wieder nicht gekommen?“, fragte Hänsel. „Ja, alles läuft aus den Rudern. Keiner hält sich mehr an seine Rollen. Wo kommen wir denn hin?“, fragte sich der Froschkönig traurig. „Ich werde eine Generalversammlung einberufen! Ja, das werde ich! Großmarschall schreib sofort auf: Morgen treffen sich alle Märchengestalten um 18 Uhr am Brunnen des Froschkönigs. Sehr wichtige Besprechung, es gibt keine Entschuldigung!“ Der Froschkönig setzte seine Unterschrift darunter und beauftragte den gestiefelten Kater, das Schreiben im ganzen Märchenland zu verteilen.

„Wie soll ich das bis morgen schaffen?“, fragte der keck zurück. „Meine Stiefel haben Löcher. Ich habe keine Zeit mir Büffelleder zu besorgen, oder zum Bärenhäuter zu gehen.“ „Dann zieh dir deine lächerlichen Stiefel aus und lauf so, du eingebildeter Kerl!“, befahl der Froschkönig. „Früher machtest du das auch.“ „Ja, es war einmal.“ „Schluss! Aus! Sonst kommt der Knüppel aus dem Sack!“, schrie der Froschkönig und der gestiefelte Kater schlich sich von dannen.

Eine Hexe kam des Wegs. „Guten Tag Froschkönig“, begrüßte sie ihn höflich. „Hast du meinen Prinzen irgendwo gesehen?“ „Den von Schneewittchen?“, fragte er nach. „Ja, diesen schönen Jüngling will ich mir angeln.“ „Der ist doch vergeben. Und ich bin mir nicht sicher, ob das ein guter Fang ist. Ständig sitzt er beim Frisör, bei der Kosmetik. Seine Schönheit lässt auch schön langsam nach. Er will es nicht wahrhaben!“ „Ich will meinen Spiegel befragen, wer hier der Schönste im ganzen Land ist.“ „Die Schönste wolltest du sagen.“ „Das ist keine Frage, sieh mich an. Die paar Warzen lasse ich mir wegoperieren und dann brauche ich diesen Spiegel nicht mehr. Er ist inzwischen fast blind und man kann kaum noch jemanden erkennen.“ „Lass es sein, da kommen die sieben Zwerge.“

Diese flüsterten atemlos: „Ist Schneewittchen in der Nähe?“ „Nein, nicht gesehen“, sprach der Froschkönig ärgerlich. „Habt ihr etwas zu Essen lieber Froschkönig? Bei uns gibt es immer nur Grießbrei!“, riefen die 7 Zwerge. „Uns hängt er schon bei der Zipfelmütze raus!“

Inzwischen tanzte Rumpelstilzchen an und sang ganz laut in den Morgen: „Ach wie gut das niemand weiß.“ Er stockte. „Ach ich habe meinen Namen vergessen.“ „Rumpelstilzchen“, halfen die 7 Zwerge aus. „Ja, stimmt. Ach wie gut das niemand weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß. Warum haben mich meine Eltern nicht einfach Karl oder Heinz getauft, das könnte ich mir leichter merken.“

„Ich kann dich trösten liebes Rumpelstilzchen. Ich finde auch oft mein Hexenbuch nicht. Dauernd verlege ich es mir oder noch schlimmer: Letztens habe ich aus Versehen der Frau Holle einen Knaben als Hilfe gehext. Die hat vor Schreck fast einen Herzinfarkt bekommen.“

„Ihr 7 Zwerge, wo seid ihr“, hörte man aus der Ferne lockend rufen.

„Wo können wir uns verstecken?“, fragten diese ängstlich.

„Ich habe euch leckeren Grießbrei gekocht. Wo seid ihr?“ „Schnell, die 7 Geißlein sind noch nicht zu Hause. Versteckt euch bei ihnen.“, riet ihnen Hänsel. „Oder in meinen Stall!“

„Was, die sind noch nicht zu Hause?“, wollte die alte Hexe wissen. „Diese Pubertät. Ich bin mir sicher, die feiern im Schloss auf dem Ball. Die treiben es ganz schön wild. Bald werden sie zertanzte Schuhe haben, was machen sie dann?“

„Da lobe ich mir Aschenputtel, die läuft vor Mitternacht nach Hause. So ein wohlerzogenes Kind müsste man haben.“, meckerte der Schneider, der gerade mit seiner Ziege eine saftige Wiese suchte. „Meine Söhne sind allesamt zu überhaupt nichts zu gebrauchen. Diese Kinder, diese Kinder. Da mühst du dich als alleinerziehender Vater ab und was ist der Dank? Nicht einmal die Ziege wird satt. Sie träumen vom Schlaraffenland. Das würde ihnen so passen. Von einem Goldesel, einem immer gedecktem Tisch und so einer Wunderwaffe. Nein, diese Jugend!“, beklagte sich der Schneider.

„Was schimpfst du gegen die Jugend?“, beschwerte sich Rotkäppchen, die auf dem Weg zu ihrer Großmutter war. „Wir Jungen müssen doch ausziehen, das Fürchten zu lernen. Ich habe keine Angst mehr vorm bösen Wolf. Er ist längst mein bester Freund. Mit ihm kann ich…“ „Schweig still!“, rief der Froschkönig. „So weit kommt es noch im Märchenland. Rotkäppchen treibt sich mit dem Wolf herum.“ Rotkäppchen lachte schelmisch. „Was dagegen?“

„Frech, frech, ja das sind sie die jungen Leute“, müde und abgekämpft kam die Geißen Mutter mit dem Korb auf dem Rücken daher. „Glaubst du, dass sich die 7 Geißlein einmal das Futter selber holen? Nein, sie tanzen die ganze Nacht und sind dann zu müde. Was soll ich machen, das frage ich euch?“

„Höchste Zeit für die Generalversammlung. Heute Abend noch! Es ist eine ganz brisante, gefährliche Situation, in der wir uns hier im Märchenland befinden. Nichts ist mehr so, wie es sein sollte! Bitte schnell weitersagen: Schon heute Abend findet die große Vollversammlung statt!“

Alle gingen hurtig ihrer Wege und riefen nach allen Seiten: „Große Generalversammlung um 18 Uhr beim Brunnen des Froschkönigs.“

Am Abend polierte der Froschkönig seine Krone wie wild. „Altes Ding, kein Wunder, dass die Prinzessin nicht mehr an den Brunnen kommt. Wahrscheinlich hatte sie längst einen anderen.“

Schließlich versammelten sich alle Märchenfiguren um den Brunnen. Es wurde gescherzt, getuschelt.

„Was gibt es für ein wichtiges Thema, dass der Froschkönig so eilig eine Versammlung einberufen hat?“, fragten sich die meisten.

Die Bremer Stadtmusikanten spielten einen Tusch und dann war es still.

„Werte Bewohner des Märchenlandes. Es freut mich, dass ihr alle gekommen seid. Nicht einmal Rumpelstilzchen und die Hexe haben darauf vergessen.“ Alle sahen die beiden an und lachten. Rumpelstilzchen stampfte hütend mit den Füssen. Die Hexe hielt ihren Hexenstab in die Höhe und drohte allen mit ihren krummen Fingern.

„In unserem Land ist nichts mehr wie es einmal war. Und ich muss euch mitteilen, unser Märchenland hat jegliche Bedeutung verloren. Kein Wunder. Schaut euch doch an:

Die Riesen des tapferen Schneiderleins wollen nicht mehr streiten, sie gehen lieber auf ein Bier oder zwei. Die 13. Fee von Dornröschen ist gestorben. Sie hat sich an den Dornen vergiftet. Der alten Frau Holle fallen sämtliche Decken und Pölster aus dem Fenster, weil sie kein Personal mehr bekommt. Rapunzel hat sich die Haare schneiden lassen, weil das jetzt so Mode ist. Der Hase und der Igel laufen beim Linz Marathon mit. Hans im Glück lässt sich aus seinem Goldklumpen Ringe machen und will jede Frau heiraten, die ihm in den Weg kommt. König Drosselbart hat sich einer Schönheits-OP unterzogen. Ich könnte diese Liste noch endlos fortsetzen.“

Der Froschkönig schwieg bedrückt. Viele schauten betroffen vor sich hin.

„Schaut euch doch an!“, sagte er streng. „Es war einmal…..!“

„Wir müssen doch mit der Zeit gehen!“, riefen die sieben Geißlein. „Ja, genau“, pflichtete ihnen Rotkäppchen bei. „100 Jahr schlafen, wenn interessiert das?“, brachte sich Dornröschen ein.

„Aber so geht es auch nicht mehr weiter“, verteidigte sich der Froschkönig. „Kein Kind, kein Mensch, liest mehr Märchen.“

Bestürzung machte sich breit. „Das wollten wir aber nicht“, gestanden die Jungen reumütig.

„Wenn es so weiter geht, gibt es uns bald überhaupt nicht mehr!“

„Machen wir doch eine Gruppenarbeit und suchen wir gemeinsam nach Lösungen“, schlug die kluge Else vor. Alle waren von dem Vorschlag begeistert.

Nach einer Stunde Beratung wurden die Ergebnisse vorgetragen. Die Alten ließen verlauten: „Die Jungen müssen wieder sittsam leben und sich an die alten Ordnungen halten, die schon hunderte Jahre gelten. Es war einmal…..“

„Wir Jungen? Und was macht ihr Alten?“, wollten die Aufmüpfigen wissen. Der Froschkönig beruhigte alle und lud auch die Jungen ein, ihre Vorschläge darzureichen.

„Wir müssen Werbung für uns machen“, sprach Bruder Lustig keck. „Werbung?“, fragten die Alten nach. „Was ist das?“ „Eine Homepage gestalten, auf Facebook und Twitter jeden Tag posten.“

Die Alten kannten sich leider mit diesen Begriffen überhaupt nicht aus. Es wurde heftig gestritten und diskutiert. Schließlich rief der Froschkönig zur Abstimmung auf.

„Wer ist für Vorschlag eins: Die Jungen müssen wieder, wie es einmal war, sein? Bitte erheben.“ Die Alten standen auf. Rumpelstilzchen und die Hexe sahen verwirrt in die Runde.

„Der zweite Vorschlag mit diesen neumodernem Zeug, wer ist dafür?“ Die Jungen sprangen begeistert auf und machten gewaltig Krach.

Plötzlich trat das kluge Schneiderlein vor: „Ich bin für ein salomonisches Abkommen: Einen Tag, es war einmal…. Und einen Tag, na das da….Was haltet ihr davon?“ Es wurde wieder heftig debattiert. Schließlich bat der Froschkönig die Bremer Stadtmusikanten um eine Fanfare und verkündete feierlich:

„Mein Urteil steht fest: Alle Anwesenden lesen sich ihr Märchen wieder einmal ganz genau durch. Vielleicht können die Jungen unsere Rollen etwas aufpolieren, ebenso meine Krone. Werbung machen für Märchen finde ich famos. Wir brauchen junge Zuhörerschaft. Die sind uns damit sicher.

Dann können wir Älteren wieder im „es war einmal“ schwelgen und die Jungen in die Verantwortung hineinwachsen. Die Versammlung ist geschlossen.“

„Das ist alles?“, fragte Doktor Allwissend nach. „Ja, und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute…..“

 

Zwischen den Zeiten 

Gertrud sah sie mit großen Augen an. Verloren der Blick. Hilfesuchend im Nirgendwo. "Was für ein Tag ist heute?" "Sonntag", antwortete Eva.

"Heute ist Sonntag?", fragte Gertrud gedankenversunken nach. "Ja, heute ist Sonntag. Wollen Sie in Kirche gehen?"

"Ich dachte heute ist Dienstag." "Nein, heute ist Sonntag."

"Das ich schon alles vergesse. Was ist heute für ein Tag?" "Sonntag, wollen Sie Kirche gehen? Dann müssen wir uns fertig machen, sonst kommen zu spät."

Gertrud blickte sich um. Sie kramte in ihren Erinnerungen.

"Heute ist Sonntag?" "Ja, Sonntag."

"Wenn heute Sonntag ist, dann müssen wir ja in die Kirche gehen."

"Wollen Sie Kirche gehen?" "Freilich, am Sonntag muss man in die Kirche gehen. Ich bin immer in die Kirche gegangen. Zuerst in den Stall und dann in die Kirche. Am Sonntag musste ich immer früh aufstehen."

Eva legte die Kleider aus dem Schrank und half Gertrud beim Anziehen.

"Gehört das mir?", fragte Gertrud, die Bluse in der Hand. "Ja, das Ihre Bluse."

"Nein, so eine habe ich nie gehabt. Die hat mir irgendwer in den Kasten gehängt." "Frau Gertrud, das Ihre Bluse. Ich helfe Ihnen anziehen."

Gertrud schlüpfte mit leeren Augen in die Bluse. "Die gehört mir nicht. Wahrscheinlich hat Klara sie einfach hineingehängt. Aber die gehört mir sicher nicht."

Willenlos ließ sich Gertrud weiter ankleiden. Schüttelte immer wieder den Kopf. Besah sich von oben bis unten, geistesabwesend.

"Wieviel Uhr ist es?" fragte Gertrud ihre Helferin. "Sie haben schöne Uhr, schauen Sie einmal." "Ist es acht Uhr?" "Ja, acht Uhr."

"Dann muss ich doch bald schlafen gehen." "Nein, nicht schlafen gehen." "Ich kenne mich jetzt nicht mehr aus. Ist jetzt Abend oder Morgen?"

"Es ist Morgen und wir wollten Kirche gehen." "Ist heute Sonntag?" "Ja, heute Sonntag und Sonntag gehen wir immer Kirche."

"Aber ich habe heute überhaupt noch nichts zum Essen bekommen." "Doch Sie haben Frühstück gegessen." "Ist jetzt in der Früh, nicht Abend?" "Es ist Morgen." "Ich habe schon gefrühstückt?" "Ja, Sie haben."

"Gehen wir dann in die Kirche?" "Ja, wir können jetzt Kirche gehen."

Gertrud blickte suchend um sich. Wo befindest sie sich? Das ist nicht ihr Zimmer......

 

 Der Sehsucht folgen

Ihre Gedanken wanderten immer wieder in dieselbe Richtung, ob sie wollte oder nicht. Aus ihrem gewohnten Rhythmus hatte es sie geworfen, aus der Bahn und nun versuchte sie verzweifelt wieder zurück ins Dasein zu finden.

Wie in einem Gefängnis kam sie sich vor, festgehalten in diesen Erinnerungen und Bildern. Wollte ihnen entkommen und schaffte es nicht. Wusste wohl, dass dieser Teufelskreis zu durchbrechen war, bevor Schaden an ihrer Seele entstand. So konnte es doch nicht weitergehen. Behindert im klaren Gedankenfassen, eingeengt in ein Korsett aus alten Gedankenfetzen.

Da war dieser Abend, der diese Sehnsucht auslöste. Unerwartet und sehr offen traf er sie. Ihre Mauern, Zäune und Grenzen, die sie sonst so eifrig aufstellte, fehlten. Es waren ihm Tür und Tor geöffnet. Er hatte die Chance wahrgenommen - sie es zugelassen. Aber was war es, das sie so gefangen hielt, wenn sie an diesen Abend zurückdachte? Schmeichelte er ihrer Eitelkeit, war das nur Futter für ihr Ego? Seine Aufmerksamkeit war Bestätigung für sie als Frau. Das verbotene erotische Spiel, das sich im Laufe des Abends zwischen ihnen entwickelte, steigerte ihr Selbstbewusstsein.

Sie beunderte verwegene Männer. Diese Kühnheit faszinierte sie, dieser Hauch von Anrüchigkeit. Dieser Mann wollte nur das Eine, ganz einfach. Hielt sie damit in Atem, er artikulierte es offen und nahm sie damit gefangen. Sie war an seinen Lippen gehangen. Er hatte nicht locker gelassen. Hatte ihr immer wieder kühne Bilder angeboten, unter denen sie zu schmelzen begann. Konnte sie dieser Versuchung widerstehen? Ihr Zögern enthielt das wenige an Achtung, das sie vor sich selber hatte und die Angst vor Verletzung ihres Partners. Konnte sie das Ausleben dieses Abenteuers von ihrem normalen Leben abtrennen?

Die Lust war im ganzen Körper zu spüren. Das Prickeln gab es also noch in ihr, das Feuer. All das rief er immer wieder hervor, schon deshalb, weil sie ihre Gedanken nicht zügeln konnte. Wollte sie auf die Erfüllung wirklich verzichten, oder riskierte sie ein Zuviel und setzte auf die falsche Karte?

Brauchte sie diese Phantasien, damit wieder Leidenschaft in ihrem Leben war? Nahm sie sich nicht etwas weg, wenn sie sich von diesen Gedanken zu befreien versuchte, zu ihrem eintönigen Alltag einfach zurück kehrte? War diese Versuchung das, was ihr Leben mit Glut versorgte, ihre Tage berauschte?

In diesen Bildern zu schwelgen schadete niemanden, warum sollte sie diese zurückweisen? Der Verstand ließ die Alarmglocken schrillen. Wenn sie sich diesem Werben hingab, dann war ein Damm geborchen, der sie bisher geschützt hatte. Würde sie ihn wieder reparieren können?

Ist die Sehnsucht nicht eine Sucht, die durch ihre Erfüllung zerstört, ernüchtert wird? Hinter der Sehnsucht zurück bleibt, neuem Sehnen Platz macht? Macht Sehnsucht süchtig nach dem Sehnen?                                                                  

 

Das geht mir am A..... vorbei

Sie stand in ihrem begehbaren Schrank. Die Auswahl war enorm. Luise, im Bademantel, ließ ihre Augen über ihre Kleiderfülle gleiten. Ein Kleid? Oder lieber eine Hose? Nein, sie wollte sich als Frau präsentieren. Also Kleid oder Rock. Sie nahm die Kleider samt Bügel und hielt sie an ihren Körper. Wer hatte ihr dieses Kleid geschenkt?

Das Treffen war für sie lebensnotwendig. Sie musste schick angezogen sein. Entschied sich für einen roten Rock. Welche Bluse, oder doch lieber ein T-Shirt? Immer diese Entscheidungen. Sie nahm wieder eine Bluse nach der anderen von der Stange. Die eine war zu durchsichtig. Die andere zu groß gemustert. Seriös wollte sie erscheinen, aber nicht zu brav. Eine Seidenbluse, die ihren Körper sanft umspielte? Ja, die war perfekt.

Jetzt fehlte nur noch Schuhe und Handtasche. Luise ging zum Schuhschrank. Gehörten all diese Schuhe tatsächlich ihr? Wie hoch sollten die Absätze sein? Zu flach auf keinem Fall. Wo waren die Handtaschen? Sie fand ihre Lieblingstasche unter einem Berg Tücher. Handtasche und Schuhe im gleichen Ton, selbstverständlich.

Und nun schminken. Luise trug das Makeup sorgsam auf. Immer wieder überprüfte sie, ob der Lidschatten in Grün ihre Augen tatsächlich betonte. Wimperntusche wurde in drei Durchgängen aufgetragen. In ihrem Alter war etwas mehr Rouge erlaubt. Die Schminke sollte ihre Vorzüge hervorheben, aber heute durfte sie ein wenig übertreiben. Die dünnen Lippen wurden in ein kräftiges Rot getaucht. Immer wieder drückte sie ein Tuch zwischen ihre Lippen. Die Frisur saß noch akzeptabel. Sie hüllte sich in eine Parfümwolke.Perfekt!

In einer viertel Stunde musste sie in der Bank sein. Ihr blieben nur mehr fünf Minuten für die Fahrt. Ab ins Auto. Wo waren die Autoschlüssel? Sie rief sich ein Taxi.

"Ich habe um 15 Uhr einen Termin", flötete Luise der Sekretärin zu. "Wie ist ihr Name?", fragte die Angestellte zaghaft. "Luise Neumüller, Sie dummes Ding!" "Liebe Frau Neumüller, Sie haben keinen Termin in unserer Bank. Es tut mir leid. Der Leiter hat heute einen Auswärtstermin. Bitte kommen Sie morgen noch einmal."

"Sie, das geht mir am A.... vorbei, ob der heute da ist oder nicht", schrie Luise. "Ich brauche die 1000 Euro sofort, sonst verlässt mich mein Mann. Noch hat er nicht bemerkt, dass ich das Geld aus seiner Brieftasche genommen habe. Ich musste diese Schuhe unbedingt haben. Her mit dem Geld oder ich schreie!"

Einige Angestellte kamen aus ihren Büros. Der Bankleiter stürmte auf Luise zu und legte ihr beruhigend seinen Arm auf die Schulter. "Mutter, hast du deine Medikamente wieder nicht genommen?"                                                                           

 

Zwei Frauen im Kaffeehaus

"Endlich haben wir wieder einmal Zeit in Ruhe miteinander zu reden."

"Ja, wir haben uns schon lange nicht mehr gesehen."

"Endlich keine unaufgeräumte Küche im Hintergund."

"Genau, nichts zum Putzen und Abstauben."

"Dir bleibt doch auch die ganze Hausarbeit, oder?"

"Ja, der Martin hat zwei linke Hände. Und seine Mutter hat ihm nicht einmal das Staubsaugen gelernt. Geschweige denn abstauben oder Geschirr abwaschen."

"Und kochen tut er auch nicht, stimmst?"

"Wo denkst du hin. Grillen im Sommer. Aber da muss ich auch alles richten und er ist dann der Starkoch. Höchstens einmal den Geschirrspüler einräumen."

"Aber da räumt er eh alles so umständlich ein, dass du sowieso wieder alles umräume musst, stimmts?"

"Genau so ist es! Geht deiner mit dir einkaufen?"

"Einkaufen? Erinnere mich nicht an unseren letzten gemeinsamen Einkauf. Der Simon braucht unbedingt eine neue Jean!"

"Stimmts, er nimmt die erst beste! Am liebsten ohne probieren. Auf den Preis schaut er so wie so nicht."

"Ist der Martin auch so. Im erst besten Geschäft."

"Ein Wahnsinn diese Männer. Ich habe es ihm nicht erlaubt, dass er gleich die erste nimmt. Er hatte sie allerdings probiert, das muss ich sagen. Aber wie will er wissen, ob es nicht im nächsten Geschäft eine gibt, die ihm viel besser passt, die günstiger ist?"

"Schrecklich diese Männer. Nein, ich gehe viel lieber alleine einkaufen!"

"Ich auch! Komme ich heim, mit meinem Einkauf, will ich meine Sachen zeigen, über die ich mich so freue. Was macht er? Er schaut nicht einmal von seinem Handy auf, wenn ich sie ihm zeige!"

"Meiner auch. Das blöde Handy! Ist er endlich von der Arbeit zu Hause. Drückt er nur an seinem Handy herum."

"Ja und spricht kein Wort. Wenn ich mich beschwere, sagt er: Das nur noch schnell."

"Und das Fernsehen!"

"Ja genau Fernsehen. ER ist der Chef der Fernbedienung. Entweder Krimi oder Fußball!"

"Exakt! Dabei spielen sie eh so selten einen Liebesfilm. Die Pilcher Filme sind doch so schön. So unkomplizierte Liebesgeschichten. So schöne Naturaufnahmen. Was sagt Martin dazu? Da weiß man von vorneherein wer am Schluss wen bekommt. Und natürlich muss er mir das auch gleich mitteilen."

"Genau! Aber letzte Mal habe ich dem Simon auch gesagt: Ich weiß, wer der Mörder ist! Da war er angebissen.!

"Wenn ich uns so reden höre, sollten wir nicht doch eine Frauen WG gründen?"

"Wäre eine super Idee. Aber ehrlich. So ganz ohne Männer wäre das Leben auch fad. Irgendwie sind sie doch das Salz in der Suppe."

"Ja, aber manchmal ist die Suppe leider auch etwas versalzen!"

 

Das Ende?

Da lag er nun. Frisch operiertes Bein. Einzelzimmer. Er wollte noch rasch etwas aus dem Auto holen, war auf dem Eis ausgerutscht. Knöchelbruch. Für sechs Wochen fiel er in der Firma aus. War kein schlimmer Gedanke. Er war dort ständig unter Druck. Immer mehr leisten, immer mehr Stunden, ganz selbstverständlich. Die Jungen verausgabten sich, wollten die Karriereleiter schnell hoch steigen, viel verdienen. Und er?

Ja, das wollte er auch einmal. Er hatte eine Frau, zwei Kinder. Sie wollten ein eigenes Haus. Die Schulden so schnell als möglich abbezahlen. Oft kam er erst nach Hause, wenn die Kinder schon schliefen. Gudrun grantig, weil sie mit den Kindern allein zu Recht kommen musste.

Warum war ich so besessen von den Rückzahlungen? Ich war eingezwängt zwischen Familie und Firma. Der Chef forderte immer mehr und ich gab, kam ihm in den Sinn. An den Wochenenden versuchte ich ein guter Vater zu sein. Aber eigentlich wollte ich nur schlafen und meine Ruhe haben. Gudrun wollte etwas unternehmen. Immer öfter kriegten wir uns in die Haare.

Und heute? Liege ich alleine im Krankenhaus. Gudrun ist mit den Kindern im Haus geblieben. Ich verdiene gut, aber was habe ich davon? Die Kinder sehe ich alle zwei Wochen am Wochenende. Ich hätte sie so gern immer um mich. Wir telefonieren jeden Tag miteinander. Die Kinder kommen auch mit Freude zu mir.

Was ist aus meinem Traum, einer heilen Familie, einem großen Haus mit Garten, geworden?

Damals, als wir noch alle zusammen lebten, fühlte ich mich erdrückt von den Anforderungen, die von allen Seiten auf mich zukamen. Heute finde ich mein Leben oft sinnlos.

Sicher, die Kinder würden mich vermissen, ich sie auch. Gudrun hat wieder einen Neuen. Ich zahle meine Alimente, versuche die Wünsche meiner Kinder zu erfüllen. Ob sie auch noch zu mir kommen wollen, wenn sie erwachsen sind?

Eine neue Frau? In meinem Alter? Schwierig. Alle haben sie einen Rucksack mit. Eine Affäre, ja. Aber die ist meist anstrengend.

Jetzt hatte er sechs Wochen Zeit zum Nachdenken. Er würde alleine zu Hause zurechtkommen. Das Wort "alleine" schnürte ihm die Kehle zu. Das war doch nicht sein Lebenstraum!

 

Peter und ein Stern

„Das ewige Warten auf Weihnachten. Das ist soooo fad und öd!“, schreit Peter und haut mit der Faust auf seinen Schreibtisch. Er ist alleine zu Hause, Mama ist beim Zahnarzt. Ursula, seine Schwester, bei einer Freundin und Papa kommt sowieso erst zum Abendessen.

Er wollte heute mit Mama Kekse backen, aber die hat natürlich keine Zeit. Stefan, sein Freund muss zu Hause bleiben, weil er für die Schule lernen muss. Und ihm ist einfach nur fad!


Schön langsam wird es finster draußen. Peter weiß nicht, was er spielen soll. Gelangweilt stützt er sich mit beiden Armen auf das Fensterbrett. Der erste Stern setzt sich an den Himmel.

Fasziniert sieht Peter, wie er immer heller wird.

„Du hast es gut“, sagt Peter zu dem Stern. „Du kannst die ganze Welt von oben bestaunen. Ich muss hier in meinem Zimmer sitzen und mir ist sooo fad.“ Plötzlich spricht der Stern zu ihm. „Warum ist dir so fad?“, fragt er. „Ich sehe ganz viel Spielzeug in deinem Zimmer.“
„Spielen freut mich nicht. Immer diese Warterei“, beklagt sich Peter.
„Auf was wartest du?“, fragt der Stern. „Auf Mama, auf Ursula, auf Papa. Immer muss ich warten.“ „Immer?“

„Ja immer. Auf Weihnachten.“
„Wäre dir lieber Weihnachten wäre schon da?“ „Ja!“, ruft Peter, „dann hätte ich all die Sachen, die ich mir wünsche schon. Ich könnte spielen und mir wäre nicht so fad!“ „Aber morgen wären dann die Geschenke auch ausprobiert und dir wäre wieder fad, oder?“, fragt der Stern neugierig.

Peter denkt nach.
„Du hast recht“, gesteht Peter. „Aber was soll ich machen, wenn ich diese Warterei satt habe?“ „Du könntest dir etwas Lustiges oder eine Überraschung ausdenken?“
„Eine Überraschung? Meinst du für das Christkind?“ „Oder?“, fragt der Stern zurück.
„Meine Eltern, meine Schwester, meinst du die?“ „Zum Beispiel.“, antwortet der Stern.
„Meinst du jetzt, sofort oder später?“

Der Stern schweigt.
Peter springt auf und reißt seine Arme in die Höhe. „Ich hab`s. Ich bereite schon das Abendessen vor. Da werden sich alle drei freuen und werden staunen.“ „Gute Idee“, lächelt der Stern. „Danke kleiner Stern. Bist du morgen auch wieder da?“ „Ja, du kannst mich jeden Tag besuchen.“ „Das mache ich. Mit dir kann ich so gut reden und du hast so gute Ideen. Jetzt muss ich aber in die Küche, sonst bin ich nicht fertig, bevor sie alle kommen“, lacht Peter. „Tschüss!“ „Tschüss kleiner Freund!“, ruft der Stern und strahlt so hell er kann.