Die Burg der Finsternis 

Es war einmal ….so beginnen die meisten Märchen.

Aber wie beginnt eine Erzählung über einen, dessen Leben kein Märchen ist?

 Ein Versuch:

Es war einmal…….ein Mann, sein Gesicht eine Raubritterburg. Er saß an der Bar, alleine. Starrte auf das Bier vor sich. Blickte um sich, als würde er jeden Moment losschlagen. Einschlagen auf alles, was sich ihm in den Weg stellt. Er nahm einen großen Schluck, wischte sich mit dem Ärmel über den Mund. Er war von seiner Frau verlassen worden. Sie ließ ihn nicht mehr zu den Kindern. Seine Hände ballten sich zu Fäusten, als ein Mann sich neben ihn setzen wollte.

Einer tristen Kindheit durch frühe Heirat enteilt. Liebe, aber auch Eifersucht stellt sich schon während des Kennenlernens ein.  Sie wird schwanger. Sie heiraten. Das Glück perfekt. Er liebt sie über alles. Er blühte unter ihren Berührungen auf. Sie ist ihm Halt. Ihre liebevollen Hände ließen sein Eis schmelzen. Sie lockte das Gute in ihm hervor.

Er wollte königlich leben. In einem Schloss, dass hell erleuchtet über die Himmel weit glänzte. Er wollte alle Wünsche seiner Angetrauten erfüllen. Er wollte ihr das tapfere Schneiderlein sein. War Hans im Glück.

 Aber der Alltag wird zur Qual. Er ist auf das kleine Mädchen eifersüchtig. Sie nimmt ihm seine Frau weg, die Zeit mit seiner Frau, die Zärtlichkeiten seiner Frau. Immer öfter verweigert sie den Beischlaf, sie ist zu müde. Sie ist doch nur zu Hause, wahrscheinlich gibt es einen anderen Mann. Böse Worte nehmen am Tisch Platz, versalzen das gemeinsame Essen. Hass steigt dort auf, wo einst Liebe wohnte.

 Wir wollten doch alle Tage unseres Lebens glücklich miteinander sein, hing als Traumfetzen vor der Tür. Ohne Schläge, ohne Alkohol, ohne Verleumdungen.

 Er war inzwischen nur ein Froschkönig, an die Wand geworfen. Ja, er war der böse Wolf, der Teufel mit den drei goldenen Haaren. Lebte in einer unüberwindbaren Burg. Den finsteren Gewalten ausgeliefert. Bis ans Ende seiner Tage?

 Die Mauer wurde immer dicker, umwuchert von Dornengestrüpp. Er saß im Gasthaus, sie weinte sich in den Schlaf. Der letzte Faustschlag gegen sie, mit dem kleinen Kind auf dem Arm, verschloss das Burgtor für immer.

 Wann kam endlich die gute Fee, die ihr Glückshorn über ihn ausschüttete? Die mit ihren Wünschen das Unheil der Vergangenheit erlöste?

Wann wurde endlich im Märchenbuch umgeblättert?

 

 

 

 

 Ostern hat sich wieder durchgesetzt!

Jesus ist (Gott-sei-DANK) wieder auferstanden!

 

 

Fastenzeit 2018

 

Lassen wir uns durch die Fastenzeit auf das Abenteuer „Lebenserneuerung“ ein.

In 40 Tagen etwas dazu gewinnen: Tage um unser Leben zu verbessern, Tage, um wieder mit sich selbst in Einklang zu leben, Tage, um Vergebung zu üben. Tage, für bewussteres Leben…..

Herr, begleite mich in diesen 40 Tagen der Fastenzeit mit deinem Segen.

 

+ Jeden Tag zu einer bestimmten Zeit innehalten. Stille suchen. Beten –für mich,  für die Menschen, die ich liebe, für Menschen, die Schweres zu tragen haben, für……

Herr, begleite diese Zeit der Stille mit deinem Segen.

 

+ Wo bist du unzufrieden mit dir? Wo lebst du an dir vorbei?

Wo wirst du gelebt, anstatt selber zu leben? Was möchtest du mit deinem Leben?

Ich bitte um deinen Segen, Gott, dass ich den Sinn meines Lebens immer besser erahne.

 

+Herr ich will geben, nicht nur nehmen, loslassen und nicht festhalten, fördern und nicht nur fordern, wahrnehmen und nicht wegschauen. Segne mich dabei.

 

+ Das Gleichgewicht in der Fülle des Alltags zu halten ist schwer. Es erfordert Mut und Kraft. Herr, schenke mir diese Gaben, damit ich im Leben nicht die Balance verliere.

Herr trage mich durch diesen Tag, segne mich und gib mir Halt, wenn ich wanke.

 

+ Unsere Perfektion lässt keine Fehler zu. Nicht Gott richtet, sondern unser innerer Richter!

Du brauchst Gott gar nichts vorzuweisen. ER liebt dich immer.

Gott, segne mein Bemühen, dir immer ähnlicher zu werden.

 

+ Im Kreuz ist es so schwer, den Segen zu erkennen. Guter Gott, segne mich mit dem Vertrauen, dass dein Segen immer um mich ist, selbst wenn ich ihn nicht erkenne.

 

+ Gott gib mir die Kraft zu erkennen, was ich wirklich will und stärke mich, damit ich nicht blind dem folge, was andere für mich entscheiden. Lass mich dich in meinem Herzen finden.

Segne mein Suchen nach dir.

 

+ Meine Essgewohnheiten sollen sich wieder zum Guten hin verändern. Mit dem Leib spüren, dass es eine besondere Zeit ist. Mein Körper ist der Tempel Gottes, in dem er wohnt.

Gottes Segen umhülle meinen Wesen.

 

+ Lass gerade dann, wenn ich verzweifelt bin, mich deinem Segen vertrauen, der mich führt und leitet in der Ungewissheit.

 

+Zwängen von außen oder von innen versperren mich.Immer größer werdende Anforderungen rauben mir Lebendigkeit. Das Leben in unserer Konsumwelt macht uns unfrei. Gewohnheiten halten uns gefangen. Gott, dein Segen weite meine Welt.

 

+ Gott, langsam versuche ich, mich dir zu nähern. Stärke mich, dass ich herausfinde, wann ich bremsen muss im Laufschritt des Alltags, um Ruhe in und bei dir zu finden. Segne meine Schritte ins volle Leben.

 

+ Gott, lass mich erkennen, wo mir Veränderungen guttäten. Leite mich in meinem Suchen nach einem guten Leben im Vertrauen auf dich. Herr, segne meine Gedanken.

 

+ Veronika, versuchte ganz konkret zu helfen, indem sie Jesus mit dem Tuch den Schweiß abwischt. Zeig auch mir, wo meine Hilfe von Nöten. Segne meine helfenden Hände.

 

+ Segne Herr den Kreislauf des Lebens, den Wechsel von Hell und Dunkel, von Arbeit und Ruhe, von Schwere und Leichtigkeit in meinem Leben.

 

+ In dir, Gott, versuche ich mein Leben zu gestalten, ihm Sinn und Halt zu geben. Lass mich auch in dunklen Zeiten vertrauen, dass in dir das Leben ist und die Auferstehung. Stärke mich, wenn ich im Alltag hadere und keinen Halt finde. Segne mein Vertrauen.

 

+ Ich kann nichts dafür – der andere trägt die Schuld, die andere ist dafür verantwortlich, ich wasche meine Hände in Unschuld. Lass mich achtsam werden, wo ich Verantwortung übernehmen soll und muss. Segne Herr mein Handeln.

 

+ Ich bin gefangen in hohen Erwartungen an mich selbst – an andere.

Gefangen in lieblose Beziehungen, gefangen in Versprechungen, die sich nicht erfüllen.

Gefangen durch lebensverneinenden Gewohnheiten.

Löse Herr meine Fesseln mit deinem liebenden Segen.

 

+ Voll Vertrauen will ich sein und deinen Segen erbitten, vor allem für die Zeiten, in denen ich mithelfen kann, ein Kreuz zu tragen.

 

+ Das Kreuz: ein Balken von Mensch zu Mensch durch bestärkenden und verletzenden Worten, durch helfenden und abweisenden Taten.

Ein Balken vom Himmel zur Erde: Eine Verbindung vom Himmel zu mir.

Beide Balken verbinden sich zum Kreuz. Ein Zeichen, das an Leid erinnert, aber auch daran, dass Gott uns nicht vergisst. Segne mich mit deinen liebenden Zusagen.

 

+ Maria, die Mutter Jesu kann mir ein Vorbild sein. Sie fühlt mit ihm, sie bleibt in seiner Nähe. Selbst dann, als alle sich von ihm abwenden und er zum Gespött der Menge wird. Segne mein Mitfühlen und Dasein für andere.

 

+ Gott, ich möchte den Schönheiten in meinem Leben wieder mehr Beachtung schenken. So mache ich mir selbst eine Freude. Segne meine Achtsamkeit in diesen Tagen der Fastenzeit.

 

+ Gott ist schon längst da, es gibt nichts mehr zu warten. Er ist auferstanden und somit in unserem Leben. Gott ist in meinem Leben ganz gegenwärtig, Gott ist hier und jetzt mit seinem Segen.

 

+ Gott, ich habe mich entfernt von dem, was mir wichtig ist. Höchste Zeit umzudrehen. Einen neuen Weg zu suchen. Vielleicht ins gelobte Land. Segne mein Unterwegssein.

 

+Herr schenk mir Vertrauen in dich, lass mich nicht allein in dieser Umbruchszeit. Deine Pläne wurden auch durchkreuzt.

Begleite mich mit deinem Segen in der Suche nach dem rechten Weg durchs Leben.

 

+ Verletzungen tun weh. Versöhnung ist oft nicht einfach. Begleite mich mit deinem wohlwollenden  Segen, wenn ich endlich zur Versöhnung bereit bin.

 

+ Mein Leben ist eine einmalige Geschichte. Oft fällt es mir schwer, ja zu sagen zu meiner Lebensgeschichte. Ja zu sagen zu mir. Das Kreuz tragen heißt, mich annehmen mit meiner Gegensätzlichkeit, mit allen Licht- und Schattenseiten.

Gott, deinen Segen brauche ich von früh bis spät.

 

 + Kann ich dir Gott Vater vertrauen, mich an dich ausliefern, mich ganz öffnen? Gebe ich Gott den Raum, den er braucht um mich zu füllen? Ich halte stille, damit du in mir wirken kannst, ich las mich von deinem Segen reich beschenken.

 

+ Dein Wille geschehe, weil ich weiß, dass du es gut mit mir meinst, trotz meiner Tränen.

Dein Wille geschehe, weil ich sicher weiß, du liebst mich immer, auch wenn ich es im Augenblick nicht so fühle. Trage mich mit deinem Segen.

 

 

Telefonat zwischen Hofer Nandl und Papst Franziskus in Rom,

anlässlich des Pfarrfaschings 2018

 

Nummer vom Pfarrer erbitten, dann wählen. Der Papst meldet sich:

„Franziskus“

„Wer ist da?“

„Franziskus.“

„Bist du es wirklich, heiligster Herr Vater in Rom. Du bist so nahe. Ich glaube fast, du stehst hinter mir.“

„Wer ist denn dort?“

„Die Hofer Nandl aus Neumarkt, Entschuldigung, dass ich mich nicht vorgestellt habe.“

„Ja grüß dich Nandl, wie geht es dir?“

„Mei, heiligster Herr Vater in Rom. Wie es halt ist in meinem Alter. Füße lassen ein wenig nach, aber sonst fehlt mir nia nix. Und wie geht es dir?“

„Gut geht es mir. Es ist halt immer was los in Rom. Weißt, ein paar sägen an meinem Stuhl, aber ich weiß mir zu helfen.“

„Aber ihr werdet doch mehrere Sessel haben in Rom. Sonst schicke ich dir einen. Einen hätte ich über.“

„Nein, nein. Aber warum rufst du mich an?“

„Ja, genau. Ich wollte dir sagen, dass wir heuer nicht kommen können zu dir nach Rom.“

„Warum nicht?“

„Zu uns kommt heuer der Bischof von Linz zur Visitation, zur Kontrolle.“

„Ja schön, da werdet ihr euch sicher alle freuen.“

„Na ja, weißt, die werden sicher alles genau anschauen. Ob in der Kirche keine Spinnerhäute sind. Ob wir alle Gebet können. Ich fürchte, die werden schimpfen, weil bei uns die Jungen schon ein wenig auslassen mit dem Kirchengehen.“

„Ja, da müsst ihr euch was überlegen, dass ihr die Jungen wieder mehr in die Kirche bringt.“

„Ja, einen Pfarrfasching müssten wir in der Kirche haben. Da wäre die Kirche bummvoll.“

„Aber den gibt es doch nur einmal im Jahr. Da muss dir noch etwas anderes einfallen.“

„Ja, vielleicht sollen sie in der Kirche auch Kaffee und Kuchen, Bier und Würstel austeilen. Da würden sie schon kommen, die Jungen. Wäre eh nicht so schwer. Ein paar Bänke raus, brauchen wir längst nicht mehr alle und ein paar Tische hinein.“

„Das klingt ja ein bisschen nach Wirtshaus. Gehen denn ins Wirtshaus mehr?“

„Auch nicht wirklich. Die Weiberleut müssen kochen heim und die paar Männer, die was noch in die Kirche gehen. Außer es ist da Leitl da, da wollen sich alle zu ihm setzen.“

„Schade. Dabei habt ihr doch eh so einen jungen Herrn Pfarrer.“

„Die Weiberleut gehen eh, aber die Männer lassen aus. Aber das wollte ich ja gar nicht reden mit dir. Ich wollte dich fragen, ob nicht du heuer zu uns nach Neumarkt kommen könntest, wenn der Herr Bischof aus Linz kommt. Weil dann hätten wir gleich zwei Fliegen auf einen Schlag.“

„Das wäre ein guter Vorschlag Nandl. Wann kommt denn der Bischof zu euch?“

„Irgendwann vorm Sommer, so genau weiß ich das auch nicht. Da kommt sicher`s Fernsehen und`s Radio auch und da müssten wir uns schon alle recht herausputzen. Ich täte ich mir sogar noch ein neues Dirndlkleidl kaufen, weil meins ist schon recht schieder.

„Nicht schlecht.“

„Ja, und weißt, das mit dem Kochen habe ich mir auch schon überlegt. Du kochst gern, der Klemens und vom Bischof weiß ich das nicht, aber die jungen Männer heute kochen sich ja eh alle selber. Da könntet ihr miteinander kochen. Und dann könntet ihr noch einen Mittagschlaf machen, weil der Pfarrhof ist eh groß genug, da haben leicht ein paar Frauen und Männer Platz und dann wird euch sicher der Klemens nach Sandl einladen, weil dort ist er so viel gern. Aber das müsstet ihr geheim machen, weil dann gehen alle Weiberleut auf den Rosenhofer Teich baden und dann müsstet ihr all die nackten Weiberleut anschauen. Das will ich euch nicht zumuten. Und dann könntet ihr dort unserem Pfarrer Beeren brocken helfen…..“

„Du Nandl, ich muss leider Schluss machen. Das andere Telefon läutet und da muss ich ran gehen.“

„Ist es nicht gar der Herrgott, der dich anruft?“

„Du Nandl, ich werde mir dein Angebot überlegen und sage dir dann Bescheid und dem Pfarrer auch.“

„Es genügt, wenn du es mir sagst, der Pfarrer ist ja nicht so oft da.“

„Ist recht Nandl. Gsund bleiben. Und vielleicht sehen wir uns.“

„Mein Gott, heiligster Herr Vater in Rom, da machst du mir eine Freude. Einen  Apfelstrudel könnte euch ja eigentlich der Klemens auch machen. Muss eh nicht so viel Schnaps machen. Wäre auch keine so Herumpatzerei.“

„Nandl, ich muss jetzt. Liebe Grüße an die Leute, die ich im Hintergrund höre.“

„Ja entschuldige, manche schmatzen so viel beim Würstelessen.“

„Also, liebe Grüße aus Rom.“

„Danke Heiligster Herr Vater in Rom. Gsund bleiben und nix für ungut.“

„Jetzt muss ich wirklich abheben.“

„Ja, heb ab, den Herrgott darf man nicht so lange warten lassen.“

„Behüte dich Gott.“

„Pfiati Gott, heiligster Herr Vater in Rom.“

 

© Elfriede Maria Aufreiter

 

 

Einkaufen am 24. Dezember

Herbert und Rupert stehen an der Bar. Es ist kurz vor Weihnachten. Sie kommen beide von einer Weihnachtsfeier und genehmigen sich noch ein Gute-Nacht-Bier. Die Feier wird noch nachbesprochen. Andere Barbesucher mischen sich in das Gespräch ein. Laute alte Bekannte, die wie sie, immer wieder an dieser Bar stehen und sich betrinken.

„Hast du schon alle Weihnachtsgeschenke gekauft?“, fragt Herbert seinen Kumpel Rupert. „Bist verrückt? Ich brauche zum Glück nur für Uli ein Geschenk besorgen. Alles andere macht sie. Ich hasse das. Mir fällt auch überhaupt nichts ein. Mich interessiert es auch gar nicht, darüber nachzudenken, was ich wem schenken soll.“ „Mir geht es genauso“, antwortet Rupert. „Und dann die vielen Leute in den Geschäften. Nein, da bringt mich niemand hinein. Ich kaufe auch nur für Natascha etwas. Alles andere kauft sie ein. Gott-sei-Dank.“

„Und was hast du Natascha gekauft. Ich habe überhaupt keine Idee für Uli. Vielleicht passt das für sie auch.“

„Ehrlich Rupert. Ich habe noch nichts gekauft und ich habe auch keine Idee.“

Herbert lachte laut heraus. „Spinnst, es sind nur mehr zwei Tage bis Weihnachten.“

„Ich kaufe für Natascha immer am 24. Dezember ein. Ich brauche den Druck!“, damit lacht er wieder aus vollem Halse und trinkt einen ordentlichen Schluck Bier. „Hast du schon ein Geschenk für Uli?“

Jetzt musste Herbert wieder lachen und klopft sich auf seine Schenkel. „Spinnst, ich kaufe auch immer erst am 24. Das Geschenk für Uli. Da bekommt man auch immer noch irgendein Schmuckstück. Sie tauscht es sowieso wieder um.“

„Du kaufst auch immer Schmuck?“

„Sag mir, was soll man einer Frau sonst kaufen?“

„Sexy Unterwäsche vielleicht?“

„Spinnst, ich kenne mich bei den Größen der Frauen überhaupt nicht aus. Da könnte ich mich ganz schön in die Nesseln setzen. Ist es zu groß, sagt sie „ich weiß, dass ich zu dick bin, du glaubst ich brauche diese Größe“. Nehme ich es zu klein, dann sagt sie: „du könntest meine Größe schon wissen, oder trägt deine Freundin diese Größe.“ Oder es ist zu nuttig, zu aufreizend, oder wo soll sie das anziehen, viel zu schade. Nein, mein Freund. Einmal eine Unterwäsche und nie mehr wieder.“

„Du hast Recht. Mit Schmuck kannst du nichts falsch machen.“

„Vielleicht sehen wir uns ja morgen im Schmuckkästchen.“

„Wieso morgen? Es sind noch zwei Tage bis Weihnachten. Letzter Abdruck! Eh schon wissen.“

Beide lachen und bestellen sich das nächste Bier.

„Also gut, dann übermorgen. Am 24. Vormittag. Da ist der richtige Zeitpunkt dafür.“

„Hoppala Herbert. Heuer ist der 24. Dezember ein Sonntag.“

„Scheiße, wann kaufen wir dann unser Geschenk?“

 

Erlesen und erleben

Genau! So müsste mein Traummann sein. Dieser Roman entsprach ganz und gar den Vorstellungen von Ruth. Sie hatten sich auf einer Schiffsreise kennen gelernt. Vielleicht fand auch sie dort ihr großes Glück. Auf der Donau müsste genügen. Von Linz nach Passau. Schon am Samstag würde Ruth dieses Abenteuer starten.

Vorm Schiffseingang herrschte ein Gedränge. Ruth konnte die zusteigenden Männer wenig ausnehmen. Auf das Oberdeck! Der Wind zerzauste ihre Frisur, sie hatte sich so große Mühe gegeben, egal. Wilder auszusehen, konnte nicht schaden. Sie nahm in der Mitte Platz. Viele saßen mit ihren Partnern in den Reihen, aber mindestens zwei einsame Männer trafen ihre Augen. Der eine hatte eine Glatze, einen Bauch, ungepflegt, überhaupt nicht ihr Fall. Der zweiter war schlank, grau meliert. Interessanter Typ. Der entsprach genau der Beschreibung ihres Romans. Er war vornehm gekleidet, sehr attraktiv.

Im Roman waren sie zufällig auf der Stiege aneinander gestoßen. Wie sollte sie das jetzt anstellen? Plötzlich erhob er sich und ging die Stufen hinunter. Nichts wie nachrücken. Ruth versuchte möglichst elegant die Stiege hinunter zu steigen. Da konnte er ihre Beine genauer unter die Lupe nehmen. Obwohl, die waren nicht ihre Geheimwaffe. Ihre Hüften und ihre Oberweite, das waren ihre Trümpfe. Geschmacklose Typen hatten sie schon als zu dick bezeichnet, aber auf die konnte sie verzichten.

August, so nannte sie ihn in ihrem Herzen. Dieser Name passte zu ihm. Ein außergewöhnlicher Name, für eine eindrucksvolle Erscheinung.

Er stand an der Reling und lächelte in die Sonne. Was war dieser Mann schön. Ruths Herz schlug heftig bei diesem Anblick. Sie bahnte sich einen Weg durch die Menschen. Wollte einen Platz neben ihrem Traummann haben. Aber alles rund um ihn war besetzt.

Sie konnte sich die Wartezeit auch mit einem Glas Prosecco und einem Schinkenstangerl verkürzen. Im Schiffsinneren nahm sie Platz. Gerade als sie herzhaft in ihre Gaumenfreude biss, ging August vorüber. Er sah ihr kurz in die Augen. Sie konnte doch nicht mit vollem Mund.

„Verdammt“, entkam es Ruth. Ich hätte ihm einen Platz an meiner Seite anbieten können. Sie musste die Pause schnell beenden und dann? Ja, was dann?

Sie drehte sich kurz um. Er studierte noch die Speisekarte. Wenn ich jetzt hingehe und einfach sage, ich kann ihnen die Schinkenstangerl empfehlen und lade sie auf ein Glas Prosecco ein?

Ruth erhob sich. Schmarrn, da hatte sich doch so eine ältere Dame zu ihm gesetzt. Schlanker, das gab sie zu, aber doch ohne jeden Charme.

Ruth ging wieder nach draußen. Sie konnte warten. Diese Konkurrenz war nicht gefährlich. Immer wieder spähte sie in den Speisesaal. Endlich erhob sich August. Er ging wieder nach oben. Nichts wie nach. Er setzte sich in eine Zweierbank. Das war jetzt Ruths Chance.

„Entschuldigen Sie, ist da noch frei?“ „ Ja, ja“, antwortete ihr August und sah ihr tief in die Augen. Wenn das kein Zeichen war. „Sie“, begann Ruth. Doch August erhob sich, er hatte inzwischen sein Handy herausgenommen und machte Aufnahmen von einer Ruine am Hang. „Schön, nicht wahr?“, brachte Ruth hervor. August nickte nur und ließ sich auf die Bank sinken. „So eine Schifffahrt ist schon etwas Wundervolles“, begann Ruth erneut, schon etwas rot im Gesicht. „Waren Sie schon öfter mit dem Schiff unterwegs“? fragte Ruth weiter. „Ja, ja“, antwortete August. „Ich auch“, stieß Ruth sofort hervor.

„Aber am meisten freue ich mich auf Passau“, gab August von sich. „Ist eine wunderschöne Stadt“, schwatzte Ruth aufgeregt. August nickte. „Da kann man so vieles entdecken“. Angriff Ruth, sonst ist die Chance vorbei!

„Entdecken wir die Stadt gemeinsam?“, fragte Ruth geradeheraus. „Ich, Sie, aber nur wenn Sie möchten.“ „Ich bin für jedes Abenteuer offen“, lachte August. „Allerdings musst du mich einladen, ich bin pleite. Und meinen Freund Herbert auch.“ Der kam eben daher, dicker Bauch, Glatze, ungepflegt. Das war im Roman nicht vorgesehen! Was nun?

 

Babuschka

Willkommen auf der Homepage von Babuschka.

Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse schreiben dieser Babuschka heilende Wirkung zu.

Puppe um Puppe dringen Sie zu Ihrem innersten Kern vor.

Lassen Sie sich überraschen, was alles in Ihnen steckt.

Abenteuer pur. Weltneuheit!

 

Die Therapie-Puppen sind aus Zirben Holz in mühevoller Kleinarbeit hergestellt worden. Individuell gestaltet. Siehe Fotos. (Bitte beachten Sie das Kleingedruckten unten nicht, es wurde uns vom Gericht angeordnet. Diese kleinsten Puppen müssen von Kinderhänden hergestellt werden, um die Größe von einem Millimeter zu erreichen).

Sie können diese hoch therapeutischen Babuschkas zu einem sehr günstigen Preis von 1000 Euros bei uns bestellen, zuzüglich 20,00 Euro Porto. Bitten den Betrag auf unser Konto (in Panama) überweisen und schon reist Babuschka zu Ihnen nach Hause.

 

Zu unserer liebenswerten Babuschka bieten wir Ihnen noch einen Workshop mit therapeutischer Wirkung an. Erfahrene Ego-, Logo und Meditationstherapeuten werden Ihren Prozess begleiten.

Ziel der Behandlungen ist, dass Sie wieder zu ihrer Mitte finden.

 

Die Therapie findet in einer sehr natürlichen Umgebung statt. Schließlich sollten Sie durch nichts abgelenkt werden. Natur, Sonne, Eis, Schnee, Wind, Regen… und Sie und Ihre Babuschka. Wir empfehlen entsprechende Kleidung einzupacken.

Unser Super-Sonder-Angebot - nur heute: 5 Tage Therapieaufenthalt zu einem enorm günstigen Preis von Euro 4.000,00. Bitte rasch zugreifen, die Nachfrage ist gewaltig.

 

Sobald Sie den Betrag auf unser Konto überwiesen haben, erhalten Sie den Ort Ihrer Therapie zugesandt. Er muss geheim gehalten werden, der Platz sollte nicht überlaufen sein.

 

Die Therapie ist zugleich mit einem Fastenseminar verbunden. Also stellen Sie sich auf Tee und sonst gar nichts ein. Wie geschrieben, Sie sollten durch nichts abgelenkt werden. Deshalb ist auch unser Schlaflager sehr einfach gehalten. Eigenes Bettzeug bitte mitbringen. So wird auch der Gruppenprozess, der für den Heilungserfolg wesentlich ist, bestens gefördert.

 

Hervorragend betreut von unserem Therapeuten werden sie nach diesem Seminar ein neues Leben beginnen. Ein Leben voll Harmonie, voll inneren Frieden, voll Gelöstheit. Sie werden sich durch nichts mehr aus der Ruhe bringen lassen. In Zufriedenheit getaucht, mit einem Lächeln um die Lippen, ausgeglichen und glücklich werden Sie diesen besonderen Ort verlassen und lange davon zehren.

 

Peter freut sich auf den Schulanfang, hat aber auch Angst

Schulanfang, endlich sieht er seinen Freund Stefan wieder jeden Tag und oft auch am Nachmittag.

Aber heuer hat Peter ein so komisches Ziehen im Bauch wenn er an die Schule denkt. Er bekommt einen neuen Lehrer. Er kennt ihn von der Pausenaufsicht. Peter wurde von ihm einmal streng ermahnt, weil er laut geschrien hat am Gang. Wenn er doch wieder seine Lehrerin hätte, die kennt er schon. Da wüsste er, was die mag und was man bei ihr auf gar keinen Fall tun darf.

Am Abend vor dem ersten Schultag kann Peter nicht einschlafen. Dieses Ziehen im Bauch ist wieder da. Er dreht sich von einer Seite zur anderen. Er hat Durst. Er schreit nach Mama. Mama kommt in sein Schlafzimmer. „ Ich habe Durst Mama. Kannst du mir bitte etwas zu trinken bringen?“ Peter trinkt ein großes Glas Wasser leer. Mama befühlt seine Stirne. „Ist dir schlecht?“, fragt sie. „Oder hast du Fieber?“ Peter schüttelt den Kopf. „Ich kann nicht einschlafen“, gesteht Peter und Mama hört, dass seine Stimme weinerlich klingt. „Soll ich mich ein wenig zu dir legen?“ Peter macht sofort Platz in seinem Bett. Mama nimmt ihn in den Arm. „Bist du wegen des Schulanfangs nervös?“, fragt sie. Peter nickt mit dem Kopf. „Aber du kennst doch schon alles in der Schule.“ „Ja, aber…“, mehr bringt Peter nicht heraus, er kämpft mit den Tränen. „Hast du vor etwas Angst?“ erkundigt sich Mama. Peter kuschelt sich in den Arm von Mama und nickt. „Vor was?“ Leise beginnt Peter zu reden: „Weißt Mama, der neue Lehrer ist so streng!“ Mama streichelt Peter über den Kopf. „Woher weißt du das?“ „Der schaut schon so streng. Da darf man gar keinen Spaß machen.“ „Wer behauptet das?“ „Ich, weil mich hat er auch schon geschimpft am Gang. Dabei hat mich der Michi gestoßen.“ „Und?“ „Ich habe laut geschrien und dann hat er geschimpft.“ „Er hat wahrscheinlich nicht gesehen, dass Michi dich gestoßen hat.“ „Aber da braucht er mich auch nicht zu schimpfen.“

„Wenn er aber sonst ein lustiger Lehrer ist, würdest du dich dann auf morgen freuen?“ „Du meinst so, wie meine alte Lehrerin?“ „Ja, wie die.“ „Dann schon. Mit der war es immer super!“ „Vielleicht wird es mit dem neuen Lehrer auch super!“ „Meinst du?“ „Sicher ist, dass er Kinder sehr gerne mag, sonst wäre er nicht Lehrer und dass er will, dass es den Schülern in seiner Klasse gut geht. Das weiß ich von anderen Müttern.“ „Ehrlich?“ „Ja, das habe ich schon gehört. Und Peter, es ist ganz natürlich, dass du ein wenig Angst hast vor der neuen Situation in der Schule. Viele Erwachsene mögen es auch nicht, wenn sich etwas verändert in ihrem Leben und haben Angst davor.“ „Du auch?“, fragt Peter nach. „Ich auch. Ich weiß noch, wie ich Angst hatte, als du in die Schule gekommen bist. Wird er gerne gehen, habe ich mich gefragt. Wird Peter Freunde finden? Wird er Spaß in der Schule haben?“ „Geh Mama, die Schule ist doch super, da brauchst du dich nicht zu fürchten!“, lacht Peter. „Siehst du, freu dich auf morgen und jetzt schlaf gut. Sonst kommst du morgen zu spät in die Schule“, schmunzelt Mama und gibt Peter einen Kuss auf die Stirne. „Ich bin so stolz auf dich!“

 

Notwendige Fragen

Es war einmal ein armer Wandersmann. Der zog schon viele Jahre durch die Lande. Er war zu jedermann hilfsbereit und freundlich.

So schnitt er für das arme Mütterlein Holz für den Winter und dieses teilte sein bescheidenes Mahl mit ihm.

Einem anderen half er bei aufziehenden Gewitterwolken das Heu rasch einzubringen. Dieser lohnte es ihm mit einem Laib Brot.

Am Wegesrand begegnete er einem Fuhrwerk, an dem eine Speiche gebrochen war. Er half sie zu reparieren. Als Dank bekam er einen Sack Äpfel.

Für jeden den er traf, hatte er ein gutes Wort oder eine helfende Hand.

Eines Tages begegnete der Wandersmann einer vornehmen Kutsche. Er lüftete seinen Hut und der Kutscher hielt an. Er war vom rechten Weg abgekommen. Der Wandersmann setzte sich zu ihm auf den Kutscherbock und führte ihn es Wegs entlang. Im Wageninneren saß eine wunderschöne Prinzessin, die aber bitterlich weinte. Er hörte ihr Schluchzen und bat den Kutscher anzuhalten. Er öffnete die Wagentür, reichte der Prinzessin die Hand und half ihr beim Aussteigen. Er führte die trauernde Prinzessin an den nahegelegenen See. Aber sie hatte kein Auge für die Schönheit, die sich darbot. Die Sonne spiegelte sich im Wasser. Vögel sangen ihr Frühlingslied. Rehe ästen am Ufer. Der Wanderer breitete seinen Jacke aus und ließ die Prinzessin darauf Platz nehmen. Er legte seinen Arm um ihre Schultern und fragte sie geradeheraus: „Was macht dich so traurig?“ Plötzlich hob die Prinzessin ihren Blick. Diese Frage ließ sie aufhorchen. Der Wanderer wischte ihr die Tränen von den Wangen. Schließlich begann sie zu erzählen.

„Weißt du, ich muss im Schloss den ganzen Tag ein Lächeln auf den Lippen tragen, damit meine Eltern nicht merken, wie eingesperrt ich mich in diesem goldenen Käfig fühle. Ich muss fröhlich sein und darf mein trauriges Herz niemals zeigen. Nur während der Kutschenfahrt darf ich weinen, weil mich niemand sieht.“

„Was wäre so schlimm, wenn deine Eltern erfahren würden, wie unglücklich du manchmal bist?“, fragte der Wanderer. „Dann wäre sie sehr betrübt, weil sie doch nur das Beste für mich wollen. Sie wollen mich glücklich sehen. Ich kann ihnen das nicht antun.“

„Sind deine Eltern immer glücklich?“, fragte er weiter. „Ich weiß, dass Mutter oft in ihrem Schlafgemach weint, aber sie darf nicht wissen, dass ich sie höre. Und Vater ist immer streng, zu allen streng, auch zu sich selbst.“

„Möchtest du allen zeigen, wie es dir tatsächlich geht?“, fragte der Wanderer weiter. Die Prinzessin dachte nach. Der Wanderer schlug ihr vor: „Schließ die Augen. Stell dir vor, du bist glücklich und gehst durch das Schloss und stell dir vor, du bist unglücklich und gehst durch das Schloss.“ Die Prinzessin schloss die Augen. Ihr Gesicht begann zu strahlen und plötzlich verfinsterte es sich. „Ich möchte durch den Garten laufen, aber Vater verbietet es mir, weil ich mir den Fuß stoßen könnte. Ich möchte im Schlosshof tanzen, aber Vater hat Angst, dass mich jemand rauben könnte. Ich möchte…..“ Die Prinzessin erzählte aus ihrem königlichen Alltag. Mal war sie traurig, mal war sie fröhlich.

„Du darfst all das sein, wenn du es dir selbst erlaubst“, sprach der Wanderer. Die Prinzessin sah ihn mit großen Augen an. „Ich mir erlauben?“, fragte sie ungläubig zurück. „Ja, du musst dir erlauben, zu sein, die du bist.“ Das Gesicht der Prinzessin entspannte sich. Sie spielte mit einer Locke und strahlte über das ganze Gesicht. „Danke, lieber Wandersmann. Das ist die Lösung.  Ich, ja ich darf ich sein.“ Damit gab sie ihm einen herzhaften Kuss. Sprang auf, drehte sich im Kreis, schrie freudig in die Welt hinaus: „Ich darf sein wie ich bin!“ Packte den Wanderer an den Händen und tanzte mit ihm bis sie müde zu Boden sank. „Heute ist der glücklichste Tag meines Lebens“, flüsterte sie selig und legte sich auf des Wanderers Jacke. „Magst du auf unserem Schloss leben, an meiner Seite, bei mir?“, fragte sie ihn schließlich. „Nur wenn du magst“, fügte sie noch hinzu. Dann schlief sie zufrieden lächelnd ein.

Und ich fragte mich: Woher kam dieses Märchen?

 

Ankommen

„Jetzt kreuzt du endlich auf!“, schreit Stefanie, seine Schwester, als sie die Tür öffnet. Sie umarmt Thomas stürmisch und schreit in das Haus zurück: „Tom ist da!“ Stimmengewirr ist zu hören. „Das ist also Barbara, endlich stellst du sie uns vor!“ Sie wird auch stürmisch umarmt und geküsst, während Tom sagt: „Das ist….“, seine Worte gehen im Lärm unter, der sich inzwischen in den Vorraum verlagert hat. Tom und seine Begleitung werden von der Verwandtschaft auf dem Weg zum Esszimmer lautstark begrüßt. Sie haben keine Möglichkeit, ein einziges Wort anzubringen. Alle schreien durcheinander. Mutter bringt einen duftenden Braten an den Tisch. „Setzt euch endlich, Thomas und Barbara werden Hunger haben nach der langen Anfahrt.“

„Endlich lernen wir einmal deine Barbara kennen“, prostet Vater dem jungen Paar zu. „Das ist ….“ weiter kommt Tom wieder nicht. Seine Schwester fällt ihm ins Wort: „Du hast ja keine Ahnung, wieviel Frauen Tom uns schon vorenthalten hat. Du dürftest etwas ganz Besonderes sein.“ Alle lachen und prosten sich zu. Barbara grinst. „Du darfst sie schon küssen vor uns“, schreit sein Bruder Sebastian. „Hör auf, du Dummkopf“, Tom errötet. „Ich habe….“, weiter kommt er wieder nicht.

„Unser Tom ist ein wenig schüchtern. Umso mehr freuen wir uns, dass er dich heute zum großen Familienfest mitgebracht hat.“, neckt ihn seine Schwester Susanna. „Er ist das Nesthäkchen und Mam und Dad haben ihn immer so verwöhnt. Wenn wir Geschwister nicht gewesen wären, er könnte in der großen weiten Welt nicht bestehen“, lacht Susanna und gibt ihrem Bruder einen Kuss auf die Wange.

„Er kann sich schon wehren, stimmt’s Tomy?“, fragt sein Vater mit einem Glas Rotwein in der Hand. „Wisst ihr noch, wie er unseren Nachbarjungen verprügelt hat, weil sie in dasselbe Mädchen verliebt waren.“ „Vater!“, empört sich Tom. „Ist doch wahr. Jeder wollte ihr die Schultasche tragen. Tom hat gesiegt. Ich bin ganz stolz auf dich Tomy!“ „Vater! Musst du immer diese alten Geschichten aufwärmen. Ich war damals neun.“ „Alt genug um dich als Mann zu beweisen.“ Tom gibt sich geschlagen.

„Das muss ich dir auch noch erzählen Barbara“, bringt sich jetzt Stefanie wieder ein. „Zum Muttertag wollte er immer der erste sein an Mams Bett, mit selbstgepflückten Schlüsselblumen. Vor Aufregung konnte er die ganze Nacht kaum schlafen. So ein Romantiker ist Tom.“ Wieder Gelächter.

„Ich könnte auch noch eine Geschichte über unseren lieben Tomy erzählen“, Josef, der nächste Bruder, ist lautstark am Wort. „In der Schule hat er sich einmal mit Tinte im Gesicht bekleckert. Als er sich in den Spiegel sah, glaubte er, er sei todkrank und ist in den Wald gelaufen, hat sich unter einem Bäumchen versteckt. Er ist eingeschlafen und wir haben ihn alle gesucht. Als ich ihn aufgeweckt habe, sagte er: Bist du auch im Himmel?“ Alle brüllen wieder.

„Jetzt hört endlich auf“, ruft Mam beschützend. „Jetzt bringt er uns seine Freundin mit und wir haben sie noch nicht zu Wort kommen lassen.“ „Wir sind ziemlich undiszipliniert“, schwatzt eine Schwägerin. „Aber du wirst dich daran gewöhnen. Für mich war der ersten Besuch auch die Hölle.“ Ihr Mann legt ihr die Hand auf die Schulter. „Aber du hast dich nicht entmutigen lassen.“ „Ja, also Barbara, jetzt bist du am Wort und wir werden dir aufmerksam zuhören.“ Barbara schmunzelte. „Also ich komme aus Wien.“ „Hast du nicht gesagt, sie kommt aus Horn?“, fragt Stefanie nach. „Du studierst wahrscheinlich in Wien.“ „Ja, genau, ich studiere in Wien.“ „Was studierst du?“ „Medizin im Endstadium.“ Alle fallen mit medizinischen Fragen über sie her. Der Abend wie immer: Ein ausgelassenes Durcheinander.

„So jetzt ist Schluss“, ruft plötzlich Mam. „Die beiden sind sicher müde. Ihr habt Barbara mit euren Fragen genug gelöchert. Sie dürfen jetzt zu Bett gehen. Tom gähnt schon. Auf ihr beiden – wir wünschen euch eine gute Nacht. Das Gästezimmer ist gerichtet.“

„Danke für den wunderbaren Abend“, lächelt Barbara in die Runde. „Gute Nacht ihr Scheusale“, sagt Tom. „Das zahle ich euch heim!“

Vor der Tür schauen sich die beiden verlegen an. „Sie sind so ein chaotischer Haufen. Ich kann mich bei dir nur entschuldigen.“

„Sie sind alle sehr liebenswert. Ich habe mich köstlich amüsiert. Du kannst stolz auf deine Familie sein.“ „Bin ich ja auch, aber…..“

„Schade, deine Barbara hat etwas versäumt.“ „Es gibt keine Barbara mehr“, sagt Tom.

„Wie war dein Name?“ „Irene, und danke, dass du mich mitgenommen hast. Ich war schon ziemlich verzweifelt, es waren kaum mehr Autos unterwegs.“

„Wir müssen uns jetzt das Gästezimmer teilen“, Tom blickt Irene etwas befangen an. „Ist das so schlimm für dich?“ „Nein, ich finde dich sehr sympathisch.“ Tom gibt ihr einen Kuss auf die Wange und dann auf den Mund. „Du bist ja gar nicht so schüchtern, wie alle behaupten….“ Lachend gehen sie in den ersten Stock.

 

Peter hilft seinem Freund Stefan

Stefan kommt heute mit hängendem Kopf in die Schule und setzt sich traurig neben seinen Freund Peter. „Was ist mit dir los?“, fragt Peter. „Bist du krank?“ „Nein“, drückt Stefan herum. „Was ist sonst los mit dir, du bist doch ganz traurig?“ Peter merkt, dass Stefan mit den Tränen kämpft. Er legt ihm den Arm um die Schultern und sagt zu ihm: „Spuck es schon aus!“ Stefan antwortet ganz leise: „Ich muss zu Pfingsten bei meiner Tante übernachten.“ „Das ist ja super“, ruft Peter. „Ich übernachte gern bei meiner Tante und bei meinen Cousinen!“ „Ich mag nicht gern wo anders schlafen“, gesteht Stefan leise. „Warum nicht?“, will Peter jetzt wissen. „Mir wird immer schlecht und ich habe Bauchweh und kann ganze Nacht nicht schlafen.“ Peter verkneift sich ein Lachen. „Aber bei meiner Tante darf ich ganz lange aufbleiben. Wir spielen ganzen Abend. Es ist dort so lustig. Ich kann dich gar nicht verstehen.“ „Ich fürchte mich heute schon und trau mir dann nichts zu essen und das Spielen macht mir gar keinen Spaß, weil ich mich vorm Schlafengehen schon so fürchte.“ „Du Armer!“, versucht Peter seinen Freund Stefan zu trösten.

„Magst bei mir übernachten?“, ruft er plötzlich freudig. „Bei dir?“ „Ja bei mir. Das wäre lustig. Da könnten wir ganzen Abend herumtollen und Legospielen. Und Mama erzählt uns eine Gute-Nacht-Geschichte, damit du besser einschlafen kannst. Und du bekommst auch eine Wärmeflasche, wenn dein Bauch zwickt und du könntest in meinem Bett schlafen. Da kann man wunderbar schlafen. Ich würde mich auf eine Matratze neben dich legen.“ Peter überschlägt sich mit Vorschlägen für Stefan. Stefans Gesicht beginnt zu lächeln. „Glaubst du wirklich, dass deine Eltern mir das erlauben würden?“ „Da bin ich mir ganz sicher. Die freuen sich, wenn wir Besuch haben. Wir könnten…..“ Peter ist nicht mehr zu bremsen.

Nach der Schule laufen Peter und Stefan zu ihm nach Hause. Peter will seine Mama sofort fragen.

Mama erlaubt es gerne. Stefan darf zu Pfingsten, wenn seine Eltern wegfahren, zwei Nächte bei Peter schlafen.

Stefan ist erleichtert. Seine Eltern haben auch nichts dagegen. Sie  wissen, dass Stefan Heimweh hat, wenn er woanders schlafen muss und sind froh über diese Lösung. Peter und Stefan haben jetzt jeden Tag viel zu reden…. Was Stefan alles zum Übernachten mitnehmen soll, was sie spielen können, was Mama kochen soll, wie lange sie aufbleiben werden, was sie den ganzen Tag über unternehmen werden……

Peter und auch Stefan freuen sich schon auf die gemeinsame Zeit.

 

Heiligster Herr Vater in Rom!

Ich bins wieder einmal, die Hofer Nandl aus Neumarkt.

Ist bei Ihnen in Rom auch schon der Frühling zu spüren? Heuer hatten wir einen schönen Winter. Hoffentlich hatte Rom keinen Schnee, weil die würden ja gar nicht zusammen kommen mit dem Schneeschaufeln auf dem Petersplatz, habe ich Recht?

Heiligster Herr Vater in Rom, wissens Sie noch, wie wir vor einem Jahr miteinander telefoniert haben, beim Pfarrfasching, wegen des Besuches bei Ihnen. Da haben Sie mich aber ganz schön geschreckt und alle andern auch. Ich muss Ihnen aber leider sagen, das mit dem Besuchen wird heuer nichts werden. Wir haben heuer viel zu tun in Neumarkt, da haben wir wirklich keine Zeit nicht, dass wir zu Ihnen kommen.

Im Frühling sind die Wahlen von der Kirche. Da sind die Wichtigsten, die mitfahren würden, alle dabei. Die Wagners, und die …mir fallen ja alle Namen nicht ein. Und im Frühling ist auch im Pfarrergarten viel Arbeit, alles ansetzen und so.

Im Sommer ist unser Herr Pfarrer nia nicht da. Er muss viel Holzhacken, irgendwie muss er es auch herausschwitzen. Ich muss viel Blumengießen und den Salat auch, das werden Sie sicher verstehen, weil das müssen Sie in Rom sicher auch machen. Sie vielleicht nicht, aber die was Ihnen halt so helfen im Papstgarten. Aber wer weiß, Sie machen Ihnen ja alles selber, sogar kochen. Da werden Sie Ihnen schon auch Kräuter ansetzen im Garten, wie unser Herr Pfarrer und dann müssen Sie auch Unkrautzupfen.

Und so um Ende August, da gibt es ein großes Fest in Neumarkt. Nein, nicht das Pfarrfest und nicht das Weinfest. Wissens, unser Herr Pfarrer hat da nämlich Geburtstag. Und den wird er sicher feiern, dann hat der auch nicht Zeit zum Mitfahren und der will Ihnen sicher auch einmal in Natura sehen und ein Foto machen.

Ich weiß nicht genau, ob unser Herr Pfarrer Klemens da 40 oder 50 wird. Ich meine, ausschauen tut er mehr wie dreißig. So ein feines, fesches Gesicht und überhaupt noch gar keine Falten nicht. Für einen Pfarrer wirklich ein fescher Mann. Da sind wir schon recht froh, dass er noch immer unser Herr Pfarrer ist, weil der würde schon manch einer auch gefallen. Aber unser Herr Pfarrer ist ein standhafter, ein ge-wichtiger, ein braver Mann. Der lässt die Frauen in der Kirche werken, aber dann hat es sich schon.

Wie gesagt, der Herr Pfarrer feiert heuer einen Runden und da werden sich sicher alle bemühen, dass sie ihm ein schönes Fest machen und da gibt es viel zum Vorbereiten. Für den Pfarrgemeinderat, die Feuerwehr, der Kameradschaftsbund,Musik, Goldhaubenfrauen und wahrscheinlich alle Vereine. Da wird sich niemand lumpen lassen. Backen, Putzen, Kochen, das ist viel Arbeit. Wissens, heiligster Herr Vater in Rom, unser Herr Pfarrer ist ja so ein Lieber. Der ruft an, wen wer Geburtstag hat. Außer er trifft sie in der Kirche. Wie mich. Aber es gibt bei uns auch schon viele, die was nicht mehr so in die Kirche finden. Und die alle werden ihm sicher auch gratulieren wollen und anstoßen mit ihm.

Ja und dann ist schon der Herbst da. Da müssen dann viele den Pfarrer-Garten abräumen helfen und der Herr Pfarrer wird wieder den ganzen Tag in der Küche stehen. Weil er alles einkochen muss und wissens Heiliger Herr Vater in Rom, der macht da auch viele so gesunde Sachen, die was dann beim Adventmarkt verkauft werden. Unser Herr Pfarrer sorgt sich halt um Leib und Seele seiner Schäfchen und er ist so was von gefällig. Viele sagen ja schon „Kräuterpfarrer Klemens“ zu ihm.

Ich habe auch einmal so einen Wipfelsaft von ihm bekommen, weil ich bei seiner Predigt immer so husten müssen habe. Ehrlich gesagt, ich habe mich sehr gefreut darüber, aber geholfen hat er nicht viel. Mein Gott, der Doktor will ja auch sein Geschäft machen.

Und wissens Heiligster Herr Vater in Rom, wenn unser Herr Pfarrer für jede Hustende was hat und für jeden Schnäuzenden, dann muss er wirklich lang in der Küche stehen.

Soll ich ihn fragen, ob er Ihnen auch einmal so eine Medizin schicken möchte. Weil Sie werden vielleicht auch einmal krank werden und dann sind sie froh, wenn sie etwas haben.

Ja und dann ist eh schon Weihnachten. Und da haben wir alle keine Zeit nicht. Weil da ist es für alle drawig. Kranzbinden, Sockenstricken für den Adventmarkt. Der Chor und die Musik müssen Singen und Spielen üben. Kirchenaufputzen.

Nein, Heiligster Herr Vater in Rom, das wird nichts werden mit einem Besuch bei Ihnen heuer. Sie werden das verstehen. Weil immer haben Sie ja eh auch nicht Zeit. Sie fliegen ja auch in der ganzen Welt herum. Und dann wollen Sie wahrscheinlich einmal ein wenig Ruhe haben in Ihrem Alter.

Es wird schon Recht werden, vielleicht nächstes Jahr. Nach dem Pfarrfasching.

Also, Heiligster Herr Vater in Rom. Nichts für Ungut, dass wir nicht kommen.

Gesund bleiben und so frisch wie sie im Fernsehen immer ausschauen.

Soll ich Ihnen selbstgestrickte Socken schicken? 45er wären beim Adventmarkt über geblieben. Fäustlinge wären auch noch da. Oder soll ich die nächstes Jahr mitnehmen nach Rom?

Es grüßt Sie sehr herzlich die
Hofer Nandl aus Neumarkt

 

Wer hat dir diesen Floh ins Ohr gesetzt?

„Du musst dich endlich in Bewegung setzen, sonst kommst du nie an (dein Ziel)!“, flüsterte eine Stimme in seinem Ohr. Ratlos blickte der Esel nach allen Seiten. Da war doch niemand, außen Josef und Maria, die mit hängenden Köpfen vorm Haus saßen.

Der Esel legte sich zu ihnen und begann im Schatten vor sich hin zu dösen. „Du verschläfst dein ganzes Leben, wenn du dich nicht endlich bewegst“, sprach wieder diese Stimme in seinem Ohr. Der Esel schüttelte seinen Kopf. Maria kraulte ihn hinter den Ohren und sagte: „Morgen geht es los, mein Lieber. Wir müssen.“ Der Esel hob seinen Kopf und sah Maria mit seinen großen Augen an. „Du hast schon richtig verstanden, wir müssen uns morgen auf die Reise nach Bethlehem machen.“ Der Esel wackelte mit seinen Ohren. „Wir müssen uns dort aufzeichnen lassen. Befehl von ganz oben. Jeder muss dorthin gehen, wo sein Stammbaum entspringt.“ Der Esel legte sein Haupt etwas schief. „Und wenn du mich noch so treuherzig anblickst, du musst mit. Du wirst unser Gepäck tragen und mich auch hin und wieder. Schau mein Bauch ist schon so groß. Es wird sicher anstrengend für uns zwei. Für mich und das Kind.“ Maria lächelte, streichelte dem Esel über den Rücken und ging ins Haus. Josef folgte ihr.

„Habe ich nicht gesagt, du musst dich endlich in Bewegung setzen, wenn du ankommen willst“, sprach wieder diese Stimme in seinem Ohr.

„Ich will nirgendwo ankommen und ich setze mich auch nicht in Bewegung. Nach Bethlehem! Eine Woche nur Strapazen. Ich bleibe hier!“ Damit streckte der Esel alle Viere von sich und schloss die Augen.

„Ich mache die Reise auch mit dir. Stell dir vor, was wir alles erleben werden. Wir werden in Dörfer kommen, in denen wir noch nie waren. Wir werden Menschen treffen, die wir nicht kennen. Wir werden Geschichten hören, von denen wir jetzt nur träumen können.“, die Stimme in seinem Ohr wurde immer aufgeregter. „Wer weiß, was uns da alles erwartet. Ich bin schon ganz aufgeregt. So steh doch endlich auf.“

Der Esel ignorierte die aufgebrachte Stimme. „Wie kann man nur so träge sein. Ich könnte springen vor Freude, ich könnte hüpfen vor Ungeduld und du liegst auf deiner faulen Haut.“

„Wer bist du eigentlich?“, fragte der Esel müde. „Ich bin ein Floh!“

„Wer hat mir den Floh ins Ohr gesetzt?“, rätselte jetzt der Esel schon etwas wacher. „Niemand. Ich habe dich ausgesucht. Weil ich geahnt habe, dass ich mit dir ein Abenteuer erleben werde.“ „Lass mich mit deinen Ahnungen in Ruhe“, brummte der Esel.

„Warst du schon einmal in Bethlehem?“, fragte der Floh freudetrunken weiter. „Nein, interessiert mich auch gar nicht.“ „Wie kann man so leidenschaftslos sein?“, wunderte sich der Floh. „Und was hast du von deiner Wichtigtuerei?“ „Wir werden in Gegenden kommen, die ganz neu für uns sind. Wir werden es mit Maria und Josef lustig haben. Wir werden in Gasthäuser übernachten. Wir werden Dinge erleben, die wir uns gar nicht vorstellen können, wir…..“

„Halt endlich still, du kitzelst mich ja dauern mit deiner Herumhüpferei.“

„Wir werden vielleicht in einem See baden, wir werden den fernen Sternenhimmel betrachten, wir werden andere Tiere kennen lernen, wir….“, ließ sich der Floh nicht unterbrechen.

„Jetzt hör endlich auf. Ist ja gut, ich werde gehen um irgendwann dort in diesem Bethlehem anzukommen. Aber da braucht man doch nicht so ein Theater aufzuführen. Lass mich jetzt einfach schlafen und ein wenig träumen….“

„Träumen, träumen. Man muss das Leben leben, hörst du Esel. Ach Gott, er ist schon eingeschlafen. Gut, ich werde auch ein wenig ruhen, schließlich geht morgen die große Reise los. Da müssen wir beide ausgeschlafen sein….“

 

Herbstmensch

Bin noch nicht bereit. Bist einen Sommer weit voraus gegangen.
Liebe noch im Frühlingsgras.

Beeil dich. Bleiben uns denn alle Jahreszeiten?

Du bedrängst mich.
Fühl doch, sanfte Sonnenstrahlen. Ein Tanz in der Dämmerung.

Lass uns ein Winter-Haus bauen. Eine Scheune für die Saat.

Mich lockt der Sommer, der kühle See.
Die langen Nächte, träum in den Tag.

Trödle nicht, das Leben ist kurz. Mach dich auf. Ich reiche dir die Hand.

Will verweilen im Abendrot, in Hängematten gleiten, singen von Maienzeit.
Hallareditü, hallareditü, juchhe

Rote Äpfel, süße Trauben, leere Felder.
Komm lass uns aufbrechen. Dem Heute Adieu sagen.

Sammelst schon Früchte. Willst der Ernte Gaben. Herbstmensch.

Lodernd Feuer im Kamin. Kuschelzeit. Kerzenschein.

Will mich nicht lösen vom Paradies. Barfuß im wehend Rock.
Blumenkranz am Haupt. Geh voraus.

Habe dich verloren. Nebelschwaden trüben meinen Blick. Liebe wo bist du?

Hör deine Stimme fern. Will dir entgegen eilen. Doch das Blümlein ruft.

Kann nicht länger auf dich warten. Schneegestöber treibt mich an.

Geh nur Herbst des Atems. Mein ist der Sommer noch. Pfeife leise tschüss.

 

AKUT 16: Ein Leben wie im Märchen

Ein betörender Duft schlug Gretl entgegen, als sie das Kaffeehaus betrat. Sie blickte nach allen Seiten. Schneeweißchen und Rosenrot saßen an einem Tisch. Die beiden winkten ihr zu und luden sie zu sich.

„Danke, ihr Lieben“, sprach Gretl. „Rotkäppchen wird sich wieder verspäten. Die trödelt immer so durch den Wald.“ Sie bestellte sich Kaffee und einen leckeren Kuchen.

„Wo ist Hänsel geblieben?“, wollten die beiden Mädchen wissen. „Ach, der bewacht das Knusperhäuschen. Der Lebkuchen schmeckt ihm nach wie vor am besten. Er kann sich nicht vorstellen, dass es in einem Kaffeehaus noch Leckeres gibt. “

Die Tür ging wieder auf und Rumpelstilzchen hüpfte in das Café. Es setzte sich alleine an einen Tisch und guckte ängstlich um sich. Die Drei riefen ihn zu sich. Er zierte sich: „Ich bin inkognito da!“, flüsterte er. „Wir kennen dich doch. Du bist das Rumpelstilzchen. Komm schon und leiste uns Gesellschaft“, lockten ihn die drei.

Wütend warf er seinen Stuhl um und stürmte aus dem Café. Beinahe hätte er Rotkäppchen umgestoßen. „Was ist dem über die Leber gelaufen?“, erkundigte sich Rotkäppchen bei ihren Freundinnen. Bestellte sich Torte und Kaffee.

 

„Guten Tag meine Lieben!“, tönte es von der Tür her. Der gestiefelte Kater kam hereinstolziert und setzte sich an den Tisch. „Habe fast keine freie Minute mehr. Ein großes Glas frische Milch bitte!“, sülzte er Richtung Bedienung. „Der Herr Graf bringt ohne meine Hilfe überhaupt nichts mehr zu Stande. Ich komme nicht einmal dazu, meine Stiefel zu polieren, “ klagte der gestiefelte Kater und zeigte seine Stiefeletten.

 

Plötzlich wurde die Kaffeehaustür weit aufgerissen. Schneewittchen betrat die Konditorei. Stolzierte in High Hills durch den Raum auf die Runde zu. Ließ sich in den Sessel gleiten. Schlug ihre langen Beine übereinander, griff in die große modische Handtasche. Nahm den Taschenspiegel heraus und legte lässig ein paar ihrer langen Haare, schwarz wie Ebenholz, hinter das Ohr. „Ich hatte keine Zeit für den Friseur. Meine Haare müssten schon längst nachgefärbt werden.“, begann Schneewittchen bei Tisch zu plaudern. „Ein Glas Prosecco, bitte. Man gönnt sich ja sonst nichts!“, lachte sie in die Runde. „Du trinkst aber in letzter Zeit ziemlich viel“, wagte Rotkäppchen einzuwenden. „Das ist nur vorübergehend, sonst halte ich meinen Stress nicht aus.“, gab Schneewittchen zur Antwort. „Du hast ja keine Ahnung. Der Königsohn ist dauernd auf Reisen. Ich muss mich um alles kümmern.“ „Ihr werdet doch Personal im Schloss haben, oder?“, hinterfragten Schneeweißchen und Rosenrot gleichzeitig. „Die Oberaufsicht muss jemand haben, sonst schlafen die hundert Jahre.“, entgegnete Schneewittchen entrüstet.

 

Das Glas Prosecco ward gebracht. Schneewittchen leerte es mit einem Satz. „Bitte noch eines. Oder besser gleich eine ganze Flasche. Ihr trinkt doch sicher mit.“, lud sie die Runde ein.

„Sag einmal Schneewittchen, hast du dir die Lippen aufspritzen lassen?“, fragte Gretl plötzlich. „Ja“, gestand Schneewittchen. „Ich komme in die Jahre und die Konkurrenz schläft nicht.“

„Sag, wo kann man sich so etwas machen lassen?“, hinterfragte Rotkäppchen neugierig.

„Beim Doktor Allwissend natürlich. Und weil ich schon einmal in seiner Praxis war, habe ich überall ein wenig nachhelfen lassen.“ „Wo?“, wollte Rosenrot wissen. „Ja bei allem. Hat mir zwar einen Klumpen Gold gekostet. Aber nun, die Lippen, die Brüste, das Gesicht, der Bauch, der Po, alles wie neu.“, gestand Schneewittchen.

 „Du siehst tatsächlich ganz anders aus. Ich dachte schon Rapunzel kommt herein, mit frisch geschnittenem Haar.“, gestand  Schneeweißchen. 

„Also bitte, mich mit Rapunzel zu verwechseln finde ich eine Frechheit!“, entrüstete sich Schneewittchen.  „Wenn ihr nicht meine Freundinnen wäret, ich würde auf der Stelle verschwinden.“  „Entschuldigung, Entschuldigung!“, stammelte Schneeweißchen. „Du siehst toll aus. Um mindestens zehn Jahre jünger. Also, wenn der Bär keinen Gefallen mehr an mir findet, dann suche ich auch diesen Doktor Allwissend auf.“, versuchte Schneeweißchen einzulenken.

Schneewittchen nahm einen großen Schluck direkt aus der Flasche. „Bei euch kann ich mich ja geben wie ich bin, aber beim Königssohn.“ „Was ist mit ihm?“, wollten alle wissen. „Ach, der ist dauernd auf Geschäftsreise. Ich bezweifle, ob das stimmt. Wenn er nach Hause kommt, hat er an allem etwas auszusetzen.“, schluchzte Schneewittchen unglücklich.

„Du meinst doch nicht…?“

„Ich vermute, aber Beweise habe ich keine. Es will mich keiner chauffieren, um ihm nachzuspionieren.“ „Aber nein, Schneewittchen! Du Arme, du bist doch die Schönste im ganzen Land. Der Königssohn würde dich nie betrügen!“, behauptete Gretl felsenfest. Schneewittchen fuhr sich über ihre Augen. „Ihr habt es schön mit euren Männern, aber ich?“

„Ich habe überhaupt keinen Mann“, klagte Gretl. „Hänsel lässt keinen Jüngling in meine Nähe. Ich darf mich nur mit euch treffen, alles andere verbietet er mir. Er will seine Schwester nicht an einen „Froschkönig“ verlieren. Er bewacht mich Tag und Nacht.“

„Mich sieht überhaupt kein Bursche an. Alle haben sie Angst vorm bösen Wolf, der sich irgendwo in meiner Nähe aufhalten soll. Dabei ist der doch längst tot, aber böse Gerüchte halten sich ewig.“, behauptete Rotkäppchen. „ Wo ist eigentlich der gestiefelte Kater hingekommen?“

„Längst schon wieder weg. Auf den brauchst du nicht zu setzen. Du weißt doch, der hat es immer eilig. Geschäfte machen für den Grafen. “, quasselte Rosenrot.

„Übrigens, Schneeweißchen und ich sind auch nicht besser dran. Der Bär kommt zwar jeden Abend brav zu uns nach Hause, aber was er am Tag treibt, das wissen wir auch nicht so genau. Und, er kann sich für keine von uns entscheiden. Soll er doch endlich das Los werfen! Wir hoffen beide jeden Tag, dass er sich einmal festlegt. Aber er tut es einfach nicht. So ein Feigling.“, gestand Rosenrot.

 

„Irgendwie habe ich das Ganze allmählich satt“, klagte Schneewittchen.

„Ich auch, ich doch auch!“, pflichteten ihr die übrigen bei.

„Manchmal sehne ich mich nach meinem alten Leben zurück. Da war alles einfach und klar. Ich brauchte mir keine Gedanken zu machen. Ich musste nur schön sein!“, betrauerte Schneewittchen.

„Wir lebten auch gemütlich bei unserer Mutter, bis der Bär kam. Er ist eine willkommene Abwechslung, aber mehr nicht.“, brach aus Schneeweißchen und Rosenrot heraus.

„Ich konnte meine Großmutter besuchen so oft ich wollte. Kuchen war immer mit dabei. Der Wolf in meiner Nähe gab mir Sicherheit. Er ist nicht zum Fürchten.“, erzählte Rotkäppchen.

„Mit der bösen Hexe war es zwar aufregend, aber die sah doch so schlecht. Ich konnte meinem Hänsel alles zuschieben was ich wollte. Wir hatten ein leichtes Spiel mit ihr“, meldete sich Gretl zu Wort.

 

„Was machen wir nun, wir armen Märchenfiguren?“ Alle sahen sich betroffen an.

„Ich würde am liebsten zurück in mein Märchenbuch klettern und alles kommen lassen, wie es kommen muss“, schlug Rotkäppchen vor.

„Das ist ein genialer Vorschlag  Rotkäppchen!“, schrie Schneewittchen. „Macht ihr auch mit?“, fragte sie alle Anwesenden.

„Ein unaufgeregtes frommes Leben!“, frohlockten Schneeweißchen und Rosenrot.

„Endlich wieder in Ruhe mit den Perlen und Edelsteinen spielen“, antwortete Gretl.

„Wieder die natürliche Schönheit sein, die ich bin. Ein Königssohn, der mir treu zur Seite steht. Keine Konkurrenz von jungen Gänsemägden. Ich bin sofort dabei!“, begeisterte sich Schneewittchen.

„Der gestiefelte Kater könnte sich in aller Ruhe wieder mit mir im Zauberwald treffen“, ereiferte sich Rotkäppchen. „Rumpelstilzchen ums Feuer tanzen.“

 

„Das wäre ein Leben wie im Märchen!“, schwärmte Schneewittchen.

Alle schlugen das Buch auf und stiegen in ihre alte Rolle ein.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute – irgendwo in irgendeinem Märchenbuch. Vielleicht in deinem!

 

Feder

Lenas Blick wurde von dieser kleinen weißen Feder am schwarzen Asphalt angehalten.

Woher kam diese Feder plötzlich? Warum lag sie ausgerechnet auf ihrem Weg?

 

Ach, das war einfach eine Feder, von einem Vogel verloren. Direkt vor ihren Füssen, na und?

 

Trotzdem blieb sie einen Augenblick stehen, ihre schnellen Schritte unterbrechend. Widerstand dem Drang, die kleine weiße Flaumfeder aufzuheben.

Die unbemerkt zur Erde gependelt,  von allen Vorbeieilenden nicht beachtet.

 

Sie beugte sich doch in ihrem engen Minirock zu Boden und hob die Feder sachte auf. Legte sie in ihre Hand. War von der Zartheit berührt. Kaum spürbar lag sie an ihren Fingern. Sie blies vorsichtig über das Wundersame.

 

Staunend verharrte Lena. Das Wort „Engel“ drängte sich auf.

Wenn es aus dem Kleid ihres Schutzengels gefallen war? Blödsinn, wer glaubte schon an so etwas? Das war Sache ihrer geliebten Großmutter gewesen. Die vertraute  Schutzengel und Ähnlichem.

Und wenn es tatsächlich Engel gab? Dies Zeichen eines  solchen war?

 

Lena schloss die Hand über der Kostbarkeit und setzte ihren Weg verträumt fort.

Legte die zarte Feder im Büro auf ihren Schreibtisch. Blies mit einem Lächeln sanft drüber. Positionierte die Daune so, dass sie vor neugierigen Blicken und Zugluft geschützt war.

 

Im Laufe des Tages fiel ihr Blick immer wieder auf den kleinen zarten weißen Flaum. Er veränderte etwas in ihr, bewegte ihr Herz. Noch unbeschreiblich, geheimnisvoll, Fragen aufwerfend.

 

Ein Schatz lag da. Entwirrte ihren Geist, ihre Sinne. Das Leben war doch….

Ja, was war ihr Leben? Ihre Sanftheit versteckte sich hinter Aktenbergen. Die Zartheit war im Alltag zertrampeln worden. Die Makellosigkeit mit grellen Farben übertüncht……

 

Tagsüber lehnte sie sich öfter, den Blick nach innen gewandt, zurück. War diese kleine Feder tatsächlich ein Zeichen ihrer geliebten Oma? Hinweis dafür, dass es doch Dinge gab, die über diese sichtbare Welt hinaus wiesen? War sie endlich aufgewacht?

 

Aufmüpfig

Sehr geehrter Herr Finanzminister!

Wie stellen Sie sich das vor mit der Registrierkasse?

Bis jetzt bin ich immer durch die Reihen gegangen und habe abgesammelt. Sie wissen schon am Sonntag, bei der Messe. Ich bin nämlich der Mesner. Natürlich schaue ich nicht, was jede einzelne Person da in den Klingelbeutel wirft. Das gehört sich einfach nicht. Weil die einen haben mehr und andere hätten es nötig, dass man ihnen was gibt.

Ich also, gehe durch die Reihen in der Kirche. Hoffe, dass ein wenig Geld zusammen kommt. Sie wissen, es gehen nicht mehr so viele in die Kirche wie früher.

Jetzt führen Sie die Registrierkasse ein.  Soll ich da für jeden Betrag, den ich absammle einen Beleg hergeben?

Herrn Minister, da sieht man, dass Sie schon lange nicht mehr in der Kirche waren. Entschuldigung, aber das muss ich jetzt einfach so herschreiben. Weil Sie da wirklich keine Ahnung haben. Ich muss dann jeden fragen, „Wieviel hast du her gegeben?“ und muss das in diese Kasse tippen und dann kommt der Zettel heraus und den gebe ich dann an den Kirchenbesucher.

Also wirklich Herr Minister. Da muss ja unser Herr Pfarrer so lange warten, bis ich mit meiner Absammlerei fertig bin. Und die andern auch. Da würde es sicher unruhig werden in der Kirche.

Sagt eine Frau eine falsche Summe, dann stimmt am Ende die ganze Abrechnung nicht und ich muss womöglich noch den Betrag zahlen, der in der Kasse fehlt. Weil mehr sagt schnell jemand, aber zu wenig sicher nicht.

Und was tun die Kirchgeher mit den Kassazetteln? Ich weiß das von mir selber. Ich schmeiße die gleich wieder weg. Stellen Sie sich vor, wie es dann in unserer Kirche aussieht. Alles voller Zettel am Boden. Da muss die Kirche jede Woche gereinigt werden. Das wird die Frauen vom Kirchenputz sicher nicht freuen, auch wenn sie es sonst gern machen, weil sie da auch viel zum Tratschen kommen.

Also nein, meine lieben Herrn Minister! Da ist Ihnen wirklich nichts Gescheites eingefallen.

Ich will nicht aufmüpfig sein. Ich würde Sie gern einmal zu uns in die Kirche einladen, an einem Sonntag. Da haben Sie im Parlament eh nichts zu tun. Schauen Sie mir dann bei der Ab Sammlung zu und dann werden Sie wissen, dass das für mich als Mesner einfach nicht machbar ist. Nicht einmal wenn Sie die Männerseite nehmen und ich die Frauenseite. Unvorstellbar.

Ehrlich gesagt, ist diese Idee mit der Registrierkasse eine Schnapsidee von Ihnen. Am grünen Tisch ist leicht ein neues Gesetz gemacht, aber die Praxis schaut dann anders aus.

 

Ich weiß ja nicht, ob Ihnen andere Mesner auch schon geschrieben haben, aber bei uns in Neumarkt geht das auf keinem Fall.

Ich würde sagen, machen Sie das Ganze einfach rückgängig. Mir tun zwar die jetzt leid, die sich so eine sündteure Kassa angeschafft haben. Wissen Sie, wir müssen sparen, wir brauchen ein neues Pfarrheim und das kostet eine Menge Geld.

Sollten Sie tatsächlich zu uns in die Messe kommen, nehmen Sie bitte zwei Registrierkassen mit, weil wir ja noch keine haben. Sie werden im Parlament irgendwo eine alte herumstehen haben.

Es grüßt Sie ganz herzlich

Der Hofer Franzl aus Neumarkt